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Politik
12/05/2011

Rauchen: Aufstand gegen Einheitspackerl

Ab 2012 sollen in der EU nur noch Zigarettenpackungen ohne Logo verkauft werden. Trafikanten wehren sich dagegen.

von Michael Berger

Die lauschigen Tage der Schani- und Gastgartensaison sind gezählt. Das Nachtleben verlagert sich wieder in Lokale, Restaurants und Discos. Schon scharren die Rauchersheriffs in den Startlöchern und kündigen bundesweit Kontrollen zum Tabakgesetz in der Gastronomie an. Einen ihrer größten Kritiker, Peter Trinkl, Bundesobmann der Trafikanten kümmern die Kontrollen heuer weniger: "Der Nichtraucherschutz in der Gastro hat sich durchgesetzt." Dafür geht der Bundeskämmerer mit der EU ins Gericht.

Einheits-Packerln

Denn mit Frühjahr 2012, so der Plan der Union, sollen Zigaretten nur noch in Einheits-Packerln, also ohne Logo zum Verkauf stehen. Ebenso steht ein Präsentationsverbot zur Diskussion. Bedeutet, dass Tabakwaren in Trafiken und Tankstellen somit "unter die Budl" verbannt werden sollen. Trinkl: "Was wird als Nächstes reglementiert? Etwa alkoholische Getränke oder Süßwaren?"

Weiters sollen Zusatzstoffe - sie garantieren die Geschmacksvielfalt - verboten werden. "Das raubt dem Rauchgenuss jegliche Individualität", ärgert sich Trinkl. Unterstützung kommt von Fritz Aichinger, Obmann der Bundessparte Handel und zukünftiger Wiener VP-Clubobmann: "Einheitsmarken bedeuten Einheitsbrei. Dadurch werden Markenwerte und Markenrechte mutwillig zerstört." Ob sich die mächtigen, internationalen Tabakkonzerne das durch Milliarden Werbe-Euro aufgebaute Image so einfach wegnehmen lassen, bleibt mehr als fraglich.

Österreichs oberster Trafikant kritisiert auch die Bundesregierung und spricht von Doppelmoral: "Jeder Cent der jährlichen 2,4 Milliarden Euro aus der Tabaksteuer wird gerne genommen. Rauchen selbst aber gilt offiziell nicht mehr als salonfähig."

Jährlich werden in Österreich etwa 17 Milliarden Zigaretten geraucht. 2800 Trafiken und 6800 Verkaufsstellen (Gastronomie, Tankstellen) verkaufen diese Rauchwaren. Um den Protest gegen die Änderung der Tabakprodukt-Richtlinie zu untermauern, führten die Trafikanten eine breite Kundenbefragung durch. Knapp eine Million Raucher unterschrieben gegen die Bevormundung aus Brüssel. "Wer aber glaubt, dass die Meinung von etwa einem Sechstel der Wahlberechtigten unsere Regierung interessiert, der irrt. Kein Regierungsmitglied wollte die eine Million Willenserklärungen übernehmen. Die Angelegenheit wurde an Beamte delegiert", ist Trinkl enttäuscht.

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