Politik 05.12.2011

Privatpersonen im Dienste der Justiz

Das ist der Job von beeideten Sachverständigen

Wenn es kracht, wird oft der Sprengstoff- und Schießsachverständige Ingo Wieser beigezogen. Er gehört zum Kreis der gerichtlich beeideten und zertifizierten Sachverständigen in Österreich.

Privatpersonen, die im Auftrag der Justiz arbeiten, sind eine österreichische Besonderheit. Sie müssen eine Prüfung ablegen und in gewissen Abständen ihre Weiterbildung nachweisen. Im Gegensatz zu Polizeigutachtern sind sie weisungsfrei. Das hat Vorteile, vor allem dann, wenn gegen Polizisten ermittelt wird. Ein Polizeigutachter könnte vermutlich weniger befangen an den Fall im Bezirk Mistelbach herangehen, wo ein Polizist einen flüchtenden Motorradfahrer erschossen hat.

Politischer Druck

Polizeigutachter wären auch einem massiven politischen Druck ausgesetzt gewesen, als während der Briefbombenserie zwei Rechtsextremisten wegen ihrer angeblichen Mittäterschaft verurteilt werden sollten. Wieser konnte nachweisen, dass die bei den Angeklagten gefundenen Sprengstoffe nicht mit jenen der Briefbomben identisch sind.

Es gibt aber auch eine Zusammenarbeit mit der Polizei. Im Fall des Briefbombers Franz Fuchs gelang es Wieser, die Zündmechanismen zu analysieren. Mit diesem Wissen konnte die Polizei die Nervosität des Täters steigern, was mit ein Grund für seine Enttarnung war.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011