Politik 08.03.2012

Privatfirmen sind bei der Quote zurückhaltend

Frauentag – ÖVP lässt ihre Frauensprecherin mit Reißverschluss-Forderung alleine

Die Reaktion der Industriellenvereinigung und einiger Großkonzerne gibt wenig Hoffnung, dass der Vorschlag bald umgesetzt wird: Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte am Donnerstag via KURIER verkündet, sie könne sich auch für Privatunternehmen eine verpflichtende Frauenquote vorstellen: „Der Privatwirtschaft wird gesetzlich sehr viel vorgeschrieben. Warum scheitert es, wenn man Frauenförderung vorschreiben will?“

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer sprach am gestrigen Frauentag von „Zwangsbeglückung“; die meisten Unternehmen zeigten sich in dieser Frage bei einem Rundruf nur wenig gesprächig.

Man wolle zu politischen Debatten prinzipiell nicht Stellung nehmen, lautete die Antwort von Siemens, OMV und Co. Nur die Österreich-Chefin des Chip-Herstellers Infineon hat eine differenzierte Meinung dazu: Sie begrüße eine Quote in der Politik, sagt Monika Kircher-Kohl. In der Wirtschaft solle auf Eigenverantwortung gesetzt werden. „Ich verstehe aber, dass die Politik ungeduldig wird, wenn trotz der Appelle so wenig passiert.“

Man könne nicht eine Prozentzahl quer über alle Branchen legen, befindet Kircher-Kohl – sehr wohl aber einen Rahmen vorgeben, messbare Ziele formuliert – die auch mit Nachdruck eingefordert werden.

In einer Frage sind sich die Führungsetagen der Großkonzerne jedenfalls einig: Es brauche vor allem eine Änderung der „Substanz“ – also der Unternehmenskulturen.

Ohne Rückhalt

Mit ihrer Forderung im eigenen Klub ist ÖVP-Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm abgeblitzt. Sie hatte eine gesetzliche Frauenquote für Wahllisten durch ein Reißverschluss-System gefordert.

Derzeit ist nur ein Viertel der Abgeordneten im Nationalrat weiblich. Während sie von SPÖ und Grünen Unterstützung bekam, wollte sich bei einer Befragung durch das ORF -Radio keiner der männlichen ÖVP-Abgeordneten zu Schittenhelms Forderung äußern. Der Frauenanteil im VP-Klub (23,5 Prozent) ist noch geringer als im Nationalrats-Schnitt (27,87).

FPÖ und BZÖ sind gegen eine Quote; die Grünen haben anlässlich des Frauentages vier Forderungen: Frauen-Quote, Papa-Monat, halbe-halbe, mehr Chefinnen. Letzteres trugen die Grünen bei der gestrigen Sitzung zur Schau: Sie kamen in T-Shirts mit der entsprechenden Forderung uniformiert.

( Kurier ) Erstellt am 08.03.2012