Politik 05.12.2011

Prachtstier Ernst soll Yvonne anlocken

Die wohl berühmteste Kuh der Welt zeigt den Paparazzi die kalte Schulter. Sie denkt nicht daran, aus dem Wald zu kommen. Casanova-Bulle Ernst soll's richten.

Kamerateams aus Amerika und Kanada, Tageszeitungen aus Frankreich, Deutschland und Österreich haben im bayrischen Landkreis Mühldorf Position bezogen: Scheinwerferlicht, Mikrofone und angespitzte Bleistifte - alles ist bereit, nur das begehrteste Interviewobjekt dieser Tage - Kuh Yvonne - fehlt. Vollkommen unbeeindruckt vom Hype schleicht das wohl berühmteste Exemplar ihrer Rasse nach wie vor durch das dichte Unterholz im dunklen Wald und denkt gar nicht daran, sich blicken zu lassen und für die Paparazzi zu posieren. Alle noch so ausgeklügelten Versuche, das Tier einzufangen, schlugen bisher fehl. Doch einen Trumpf hat der Suchtrupp noch im Ärmel: "Unsere letzte Waffe ist Ernst, ein bildhübscher Stier, dem die Yvonne kaum wird widerstehen können", erzählt Tierschützer Michael Aufhauser von Gut Aiderbichl augenzwinkernd.

Ablöse

Der unwiderstehliche Casanova-Bulle soll in den nächsten Tagen Lockkuh Waltraud und Kälbchen Waldi ablösen. "Sie haben's zwar fein da draußen im Wald, aber sie sollen wieder etwas zur Ruhe kommen. Und wenn die Ausreißerin unseren Prachtstier wittert, bin ich sicher, sie ist interessiert." Zur Ruhe kommen soll aber auch die im Mai ausgebüxte Yvonne. "Nach dem gestrigen Großaufgebot gehen wir zu Plan B, der Totalberuhigung, über", erklärt Aufhauser. "Wir stationieren nach wie vor Beobachter an den Hotspots wie Futterstelle und Waldrändern, suchen aber nicht mehr aktiv."

Wie berichtet durchkämmten am Samstag rund 80 Personen in Begleitung von Betäubungsschützen systematisch das Gebiet, das in drei Sektoren eingeteilt wurde. Doch Yvonne trabte der Truppe erst am Sonntag um ein Uhr Früh vors Zielfernrohr. "Der Betäuber hatte in der Dunkelheit keine Gelegenheit zu einem gezielten Schuss - und dann war sie auch schon wieder verschwunden", schildert der Tierschützer. Er zeigt sich optimistisch, das Tier früher oder später zu erwischen. "Wir wissen, in welchem Gebiet sie sich aufhält. Die Futterkrippe, die mit einem Fanggitter bestückt ist, wird ständig nachgefüllt und Tierarzt sowie Betäuber sind auf Abruf." Doch wann genau Yvonne ihr Quartier auf Gut Aiderbichl Deggendorf beziehen will, weiß wohl nur sie selbst.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011