Politik 25.03.2012

Posthume Hochzeit für Freundin von Toulouse-Opfer

© Bild: APA CAROLINE BLUMBERG

Die schwangere Freundin eines getöteten Soldaten darf nachträglich heiraten. Präsident Sarkozy hat die Erlaubnis gegeben.

Vor gut einer Woche wurde der Fallschirmjäger Abdel Chennouf in Montauban, rund 50 Kilometer von Toulouse entfernt, zusammen mit weiteren Soldaten auf offener Straße von Mohammed Merah getötet. Der 23-jährige Attentäter gestand die Tat.

Die hochschwangere Freundin des Soldaten darf ihren Lebensgefährten nun nachträglich heiraten. Präsident Nicolas Sarkozy habe seine Erlaubnis gegeben, die Ehe posthum zu schließen, sagte einer der Anwälte der Familie am Freitag. Eine solche Sondererlaubnis habe es bisher erst zweimal gegeben: bei Polizisten, die im Dienst starben. Die 25-jährige Caroline erwartet im Mai ein Kind von Chennouf.

Die posthume Hochzeit ist nach diesen Angaben in Ausnahmefällen möglich, wenn zuvor bereits der Gestorbene seine Heiratsabsicht bekundet hat. Der Präsident muss dazu aber sein Einverständnis geben.

Bruder "stolz"

Der ältere Bruder des Attentäters von Toulouse ist nun auch in Polizeigewahrsam - und hat nach Informationen aus Polizeikreisen während seiner Vernehmung gesagt, er sei "stolz" auf die Taten von Mohamed Merah. Der 29-jährige Abdelkader Merah sei zudem während des Diebstahls des Motorrollers anwesend gewesen, mit dem sein Bruder unterwegs war, als er in Toulouse und Montauban sieben Menschen erschoss, hieß es am Samstag aus Polizeikreisen. Diese beschrieben den Bruder des Attentäters als streng religiös.

Der 29-Jährige und seine Lebensgefährtin befinden sich noch bis Sonntag in den Händen der Behörden. Am Samstag wurden sie aus Toulouse in die für den Anti-Terror-Kampf zuständige Unterdirektion der Polizei am Rande von Paris gebracht. Wie ein AFP-Fotograf berichtete, traf gegen 11 Uhr vor dem Gebäude ein Autokonvoi ein, in dem sich wahrscheinlich die beiden Verdächtigen befanden. Wie aus Polizeikreisen zu erfahren war, wurde die Mutter Merahs am Freitagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Der 23-jährige Attentäter war während seiner Taten allein, doch besteht der Verdacht, dass er Unterstützung von anderen erhielt.

 

Schweigeminute

Schweigeminute in Toulouse.
© Bild: APA CAROLINE BLUMBERG

Am Dienstag wurde in Gedenken an die Opfer des Serienattentäters von Toulouse in allen französischen Schulen eine Schweigeminute abgehalten. In einer Schule im nordfranzösischen Rouen wurde auch am Freitag eine Gedenkminute abgehalten – allerdings für den Täter Mohammed Merah. Eine Englischlehrerin bezeichnete den 23-Jährigen, der für den Tod von sieben Menschen – darunter drei Kinder – verantwortlich ist, als "Opfer" und ließ die Schüler gedenken.

Die Lehrerin habe "klar gesagt, dass Mohamed Merah ein Opfer ist" und dass die Verbindung zu dem islamistischen Terrornetzwerk Al-Kaida eine Erfindung der Medien und von Staatspräsident Nicolas Sarkozy sei, schrieben die Schülervertreter in einem Brief. Schülervertreter der Klasse hatten sich an den Schulleiter gewandt und gegen die Schweigeminute protestiert. 16 der rund 20 Schüler hatten demnach aus Protest gegen die Schweigeminute das Klassenzimmer verlassen.

Sofortige Suspendierung

Der französische Bildungsminister Luc Chatel hat die "sofortige Suspendierung" der Pädagogin gefordert. Chatel verurteilte das Vorgehen der Englischlehrerin scharf und sprach in einer Erklärung in Paris von einem "unglaublichen Verhalten".

Verdächtiges Paket gesprengt

Im Zentrum von Toulouse haben Spezialisten am Freitagabend ein verdächtiges Paket gesprengt. Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurde der Kapitol-Platz zuvor geräumt und abgesperrt. In Toulouse und Umgebung gilt weiterhin erhöhte Alarmbereitschaft für die Sicherheitskräfte.

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Erstellt am 25.03.2012