Politik 05.12.2011

Patenkinder: Familie für ein fernes Kind

© Bild: stephan boroviczeny

KURIER family-coach: Eine österreichische Familie erzählt, wie sie die kleine Paan in Thailand unterstützt und sie kennenlernte.

Auf dem Foto sieht man die Milaks - Mutter, Vater, Tochter. Und ein besonderes Familienmitglied: Patenkind Paan. Die Familie hat vor einigen Jahren eine Patenschaft für das Mädchen in einem SOS-Kinderdorf übernommen.

"Der Auslöser dafür, dass wir begonnen haben darüber nachzudenken, war der Tsunami in Thailand 2004. Wir drei sind der ersten großen Welle damals nur um wenige Minuten entgangen, hatten also unvorstellbares Glück. Im Katastrophengebiet haben wir drei Tage lang das ganze Leid miterlebt", erzählt Michael Milak. Ihr Hotel sei weggeschwemmt worden, daher nahmen die Einheimischen die österreichische Urlauberfamilie unglaublich herzlich auf und teilten ihre wenigen Ressourcen mit ihnen.

Mutter, Vater und Tochter Milak bekommen regelmäßig Post von Paans Kinderdorf-Mutter. Bald wird die Kleine ihrer Patenfamilie selbst schreiben können
© Bild: stephan boroviczeny

Als die Milaks gemeinsam überlegten, wieder nach Hause zu fliegen, meinte die damals 13-jährige Tochter Bettina jedoch: "Wir Milaks geben nicht so schnell auf!" So flogen sie weiter nach Ko Samui, das von der Naturkatastrophe verschont blieb, und verbrachten schließlich ihre restliche Urlaubszeit dort. Die Stimmung sei allerdings bedrückend gewesen.

"Überall auf den Straßen waren Fotos von Vermissten aufgehängt", erzählt Vater Milak. Um den Einheimischen beizustehen und ihnen symbolisch für ihre Freundlichkeit zu danken, entschloss sich die Familie wenig später zu einer nachhaltigen und sinnvollen Art zu spenden - die Patenschaft für ein Kind in einem der neu gebauten thailändischen SOS-Kinderdörfer. Tochter Bettina entschied sich für ein Mädchen - Paan -, das als Frühchen abgegeben wurde und dann in das SOS-Kinderdorf in Bangpoo kam. Seither schicken sie zum Geburtstag und zu Weihnachten Geschenke und bekommen sie Post von dem Kind und seiner Kinderdorf-Mutter.

Für KURIER Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger ist eine solche Patenschaft eine einzigartige Möglichkeit, um Kindern ihre Verantwortung für andere Menschen zu zeigen. "Kinder wachsen hier in Wohlstand auf und haben oft gar kein Gefühl dafür, dass es anderen Kindern schlecht geht." Gerade in den prägenden Jahren von acht bis 18 könnten so soziale Fähigkeiten entwickelt werden, so die Beraterin.

"Sehr beeindruckt"

Mutter, Vater und Tochter Milak bekommen regelmäßig Post von Paans Kinderdorf-Mutter. Bald wird die Kleine ihrer Patenfamilie selbst schreiben können
© Bild: stephan boroviczeny

Bei einem ihrer nächsten Urlaube in Thailand besuchte die Familie Milak ihr Patenkind. "Paan zu sehen, war ein schönes Erlebnis. Sie hat ein unglaublich liebes Wesen, ist ein gutherziges und uneigennütziges Kind. Die Kleinigkeiten, die wir ihr mitgebracht haben - eine Puppe etwa - hat sie sofort mit den anderen Kindern geteilt", erinnert sich Andrea Milak. Auch die mittlerweile 20-jährige Tochter Bettina war begeistert. "Es war sehr interessant zu sehen, wie die Kinder dort leben. Es macht einen sehr glücklich, dass sie dort ganz ohne Neid aufwachsen, obwohl sie kaum etwas haben. Das hat mich sehr beeindruckt."

Vater Michael war anfangs skeptisch, ob das Geld wirklich zu den Kindern gelange. Seit sie Paan und ihre "Familie" gesehen haben, ist für die Milaks die Wirkung ihrer Spende greifbar. Ihr Besuch habe gezeigt, dass die Kinder sich dort wohlfühlen. "Eine junge Frau, die auch im SOS-Kinderdorf aufgewachsen ist und mittlerweile mit ihrem Mann in Bangkok lebt, kommt jedes Wochenende freiwillig vorbei, um ihrer ,Mama' zu helfen", schildert Andrea Milak.

Berührend seien die Berichte, die sie zugeschickt bekommen. "Die Leiter des Kinderdorfes sind darauf bedacht, dass wir sehen, dass kein Geschenk abhanden kommt. Auf den Fotos hat Paan immer alle unsere Geschenke bei sich - und trägt dabei sogar die ,Hello Kitty'-Socken in ihren Sandalen!"

Die Familie ist sich einig: Eine Patenschaft zu übernehmen, war eine gute Entscheidung, meint Andrea Milak. "Außerdem ist meine Tochter ein Einzelkind - gut möglich, dass aus der Patenschaft irgendwann eine Freundschaft zwischen Bettina und Paan wird, wenn diese einmal groß genug ist!"

Die nächste Sprechstunde des KURIER Family-Coach findet erst wieder am 5. September statt.

Erstellt am 05.12.2011