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Politik
12/05/2011

Papst dämpft Ökumene-Hoffnungen

Am zweiten Tag der Deutschland-Visite besuchte er das Land Martin Luthers. Ein neues Signal in Richtung Protestanten gab er nicht.

Mit Benedikt XVI. begab sich erstmals ein Papst auf die Spuren Martin Luthers, des Auslösers der Reformation. Der Papst besuchte das Augustinerkloster in Erfurt, wo Luther als junger Mönch gelebt und fast auf den Tag vor 500 Jahren ausgezogen war. Sechs Jahre später hatte er seine Thesen veröffentlicht, die die Kirche spalteten.

Dieser Besuch des Papstes war als Signal für seine Bereitschaft verstanden worden, auf die Protestanten zuzugehen. Vor allem die Zulassung gemeinsamer Eucharistiefeiern hatten nicht nur die geistlichen und weltlichen Oberen der evangelischen Kirche erhofft, sondern schon am Vortag auch prominente Katholiken wie Bundespräsident Christian Wulff und Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Signal

Doch Benedikt XVI. ging darauf weder im direkten Gespräch mit der evangelischen Kirchenführung noch in seiner Predigt im ökumenischen Gottesdienst in der Kirche des Klosters ein, an dem auch Wulff und die protestantische Kanzlerin Merkel teilnahmen. Der Papst würdigte zwar Luther als "leidenschaftlichen Gottessucher", lehnte aber Kompromisse in der Ökumene ausdrücklich ab: "Im Vorfeld meines Besuchs war von einem ökumenischen Gastgeschenk die Rede, das man von mir erwarte. Dies ist ein politisches Missverständnis des Glaubens." Der sei "nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln können". Nur "tiefes Hineindenken und -leben" in ihn bringe die Einheit wie in den letzten 50 Jahren voran.

Am Nachmittag zelebrierte der Papst einen Gottesdienst in der größten katholischen Enklave Ostdeutschlands, in Eichfeld, zu dem 60.000 Pilger erwartet wurden. Am Morgen hatte er in Berlin die Spitzen der vier Millionen in Deutschland lebenden Muslime getroffen und dabei anerkannt, dass sie ein "Merkmal Deutschlands geworden" seien.

Die weiteren Stationen des Pontifex in Deutschland

Samstag
9.00 Uhr - Messe am Domplatz von Erfurt
14.00 Uhr - Besuch des Freiburger Münsters
16.50 Uhr - Begegnung mit Ex-Kanzler Helmut Kohl
17.15 Uhr - Begegnung mit der Orthodoxen Kirche
18.15 Uhr - Begegnung mit dem Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

Sonntag
10.00 Uhr - Messe am City-Airport-Gelände in Freiburg
16.20 Uhr - Begegnung mit den deutschen Bundesverfassungsrichtern
17.00 Uhr - Rede im Konzerthaus in Freiburg
19.15 Uhr - Abflug vom Flughafen Lahr nach Rom

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