Neue Nazi-Vorwürfe gegen Ikea-Gründer

Ingvar Kamprad lebt seit Jahren in der Schweiz. Sein Vermögen soll rund sechs Milliarden Dollar betragen.
Foto: APA/Claudio Bresciani

Ingvar Kamprads braune Vergangenheit war bereits bekannt. Nicht aber, wie aktiv und wie lange er die Nazis unterstützte.

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad war offenbar wesentlich stärker in nationalsozialistische und faschistische Aktivitäten involviert, als bisher bekannt. Das schwedische Fernsehen berichtete zu Wochenbeginn über bis dato unbekannte Dokumente der schwedischen Geheimpolizei Säpo, die Kamprad in den 1940er Jahren systematisch überwachte und dessen Korrespondenz mitlas.

Entdeckt und veröffentlicht hat die Säpo-Akte die Journalistin und Autorin Elisabeth Asbrink. In ihrem neuen Buch "Och i Wienerwald star träden kvar" (Und im Wienerwald stehen noch immer die Bäume) schreibt sie unter anderem, Kamprad sei in der nationalsozialistischen Jugendorganisation SSS (Schwedische Sozialistische Sammlung) aktiv gewesen und habe für diese als Art Funktionär auch Mitglieder angeworben.
Bis mindestens 1950 - und damit zwei Jahre länger als er bislang zugegeben hatte - soll Kamprad außerdem gezielt Kontakt zu Nazi-Sympathisanten gehabt haben.

"Größter Fehler meines Lebens"

Erstmals war Kamprads braune Vergangenheit 1994 publik geworden. Der Möbelzampano hatte sich damals nachträglich von den politischen Ansichten, die er in seiner Jugend gehabt hatte, distanziert und sie als "größten Fehler meines Lebens" bezeichnet. In einem späteren Interview relativierte Kamprad überdies, dass er seinerzeit eher von Mussolini als von dem "anderen Kerl" fasziniert gewesen sei. Daher sei es passender, ihn als als ehemaligen Faschisten und nicht als Ex-Nazi zu bezeichnen. Er habe die "kooperative Idee" dieser Ideologie gut gefunden.

Diesmal ließ Kamprad via seinen Sprecher ausrichten, er habe von den Säpo-Akten nichts gewusst. Diese würde außerdem nur bestätigen, was sein Chef vor 20 Jahren zu seinen ehemaligen politischen Sympathien gesagt habe und für die er sich seither immer wieder entschuldigt habe.
Ikea sei als "multikulturelles Unternehmen bekannt und verfolge eine multikulturelle Strategie"; daher würden die Nazi-Anwürfe gegen Kamprad auch keine Auswirkungen auf dessen Geschäftstätigkeit haben.

(apa / aho) Erstellt am
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