Politik
05.12.2011

Naturkatastrophen durch Klimawandel

Der KURIER hat bei einer Klima-Expertin nachgefragt.

Wenn Helga Kromp-Kolb von "40 Metern" spricht, die der Meeresspiegel ansteigen wird, dann nicht in der Möglichkeitsform, sondern als Faktum. "Dieser Anstieg kommt unerbittlich."

Im KURIER-Interview spricht die Klimaforscherin aber auch über die Hoffnung.

KURIER: Ende des Jahrhunderts wird es laut Deutschem Wetterdienst in Mitteleuropa vier bis fünf Grad wärmer sein als heute. Wird es noch gelingen, diesen Trend abzuschwächen?
Kromp-Kolb:
Der 5-prozentige Anstieg an Treibhausgasen nach dem Krisenjahr 2009 ist unerfreulich, aber nicht verwunderlich. Das Problem mit dem , das in die Atmosphäre gelangt (die Hälfte wird in den Ozeanen gespeichert, Anm.) ist, dass es lange dort bleibt. Nach 100 Jahren ist immer noch ein Drittel nachweisbar. Daher sollten wir rasch aufhören, Kohlendioxid und andere Treibhausgase zu emittieren.

Gibt es nachweisbare Folgen des Klimawandels?
Das lässt sich bei Einzelereignissen schwer sagen, aber im Fall der russischen Feuerkatastrophe im Vorjahr doch. Zu jener Zeit herrschte ein stabiles Hochdruckgebiet im Raum Moskau. Das Temperaturniveau durch den Klimawandel ist aber insgesamt höher geworden. Eine Folge davon ist, dass die Wälder trockener sind und sich leichter entzünden. Außerdem rächt es sich, dass in Russland viele Moore und andere Feuchtgebiete trockengelegt wurden, um Land und Torf zu gewinnen (Torfbrände sind schwer zu löschen, sie schwelen sogar im Winter weiter, Anm.).
Auch die Überschwemmungen in Australien (im Jänner 2011, Anm.) stehen im Zusammenhang mit der Erderwärmung. Es ist mehr Feuchte in der Luft, daher fallen mehr Niederschläge.

Der Klimawandel ist ein Prozess, der sich selbst verstärkt und beschleunigt, sagen Sie oft. Das heißt aber auch: Selbst, wenn jetzt alle Entscheidungsträger zusammenarbeiten würden, wäre es trotzdem zu spät für eine totale Kehrtwende. Gibt es irgendetwas, das Hoffnung macht?
Das gibt es. Dabei denke ich an beispielgebende Firmen wie Zotter ( fair gehandelte Schokolade, Anm.) oder Backhausen ( 100-prozentig recyclebare Stoffe, Anm.). Die NGOs haben erkannt, dass alle Themen vernetzt sind – vom Klimaschutz bis zu den Menschenrechten. Die Politik wird das eines Tages auch verstehen.

VERANSTALTUNGSTIPP: „Vorbeugen statt nachjammern!“
Helga Kromp-Kolb und andere Experten sprechen über „Resilienz“ – die Fähigkeit von Ökosystemen, Krisen zu überstehen. Wiener Urania, 30.11., 14 Uhr.
anmeldung@oekobuero.at

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