© Jeff Mangione

Politik
09/20/2012

"Nachdenken statt Nachbeten"

Plattform fordert Fach Ethik

Also sprach Seneca bereits vor 2000 Jahren: "Es kann niemand ethisch verantwortungsvoll leben, der nur an sich denkt und alles seinem persönlichen Vorteil unterstellt. Du musst für den anderen leben, wenn du für dich selbst leben willst." So gesehen scheint es hoch an der Zeit, Ethik zu unterrichten. Was Wunder, dass sich dieser Tage die überparteiliche Plattform "Ethik für alle" formierte und den verpflichtenden Ethik-Unterricht für alle Schüler forderte. Gleich distanziert gegenüber allen Religionen müsse er sein, von einem eigens in Ethik ausgebildeten Pädagogen und nicht von Religionslehrern unterrichtet, fordern die Mitglieder der Plattform (darunter "Initiative Religion ist Privatsache", Schülerorganisation AKS, Kinderfreunde, Junge Liberale Österreich, Verband Sozialistischer StudentInnen, Homosexuelle Initiative Wien). "Ich bin für Nachdenken statt Nachbeten", sagt Mitinitiator und Astrophysiker Heinz Oberhummer.

Ausgelöst wurde die Diskussion von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, die im August ankündigt hatte, bis Ende des Jahres ein Konzept für Ethik-Unterricht für alle Schüler zu entwickeln. "Was ich nicht möchte, ist ein Entweder-Oder: Wer sich vom Religionsunterricht abmeldet, geht dann in den Ethikunterricht", sagte Schmied.

Versuch

Schon jetzt wird Ethik an knapp 200 Schulen als eigenes Fach und nicht als Teil von Religion und Philosophie angeboten. Doch Schulen, die sich bereit erklären, dieses Fach anzubieten, stoßen auf Schwierigkeiten, kritisierten schon vor Monaten die katholische Jugend der Erzdiözese Wien, Wiener Schülerunion, Muslimischer Jugend Österreich und Evangelischer Jugend Wien. Die Schulen müssten die Kosten selbst decken, und das Fach jährlich neu beantragen.

" Ethik für alle" geht es beim angestrebten Unterricht um andere und mehr Fragen als im Fach Religion: "Wir leben in einer Gesellschaft der zunehmenden Entsolidarisierung", sagte Jürgen Wutzlhofer von den Kinderfreunden. Daher sei es so wichtig, in den Schulen Werte wie Solidarität oder Zivilcourage zu vermitteln. Philosophische Themen müssten ebenso behandelt werden wie Menschenrechte und Religionen – allerdings "weltanschaulich neutral und aus wissenschaftlicher Perspektive", fordert Oberhummer.

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