Politik
05.12.2011

Nach FP-Rauswurf: Königshofer tritt zurück

Nach seinem Rauswurf aus der Partei war er noch "wilder" Abgeordneter, jetzt tritt Werner Königshofer ganz zurück.

Er inszeniert sich auf seiner Website als der "Königstiger". Aber in den letzten Wochen war der vermeintliche Tiger nur mehr damit beschäftigt, Wunden zu lecken - politisch und gesundheitlich. Am Mittwoch teilte der Ex-FPÖ-Mandatar Werner Königshofer Nationalratspräsidentin Barbara Prammer per Einschreiben mit, dass er sein Mandat mit 15. Oktober aus gesundheitlichen Gründen zurücklegt.

Er ersucht, seinen Nachfolger "ehestmöglich" anzugeloben - sein zuletzt "wildes" Mandat bekommt nun wieder die FPÖ. Letztmals hat Königshofer vor dem Sommer an einer Plenarsitzung teilgenommen, seither war er krankheitsbedingt entschuldigt. Zum KURIER sagte er noch kurz vor dem Rücktritt, dass er an den Folge-Erscheinungen seiner Diabetes-Erkrankung leide und bald über seinen Verbleib im Nationalrat entscheiden wolle.

Eklat

Eklat Königshofer hatte es im Sommer zu fragwürdigem Ruhm gebracht: Er hatte das Massaker in Oslo mit der Fristenlösung verglichen und wurde dafür aus der FPÖ und dem Freiheitlichen Klub ausgeschlossen.

Ende September bestätigte die Parteispitze den Rauswurf endgültig. Dieser Eklat war aber nur der letzte in einer langen Reihe: In den 70er-Jahren war er Mitglied der später wegen Wiederbetätigung verbotenen NDP. Seit 2008 saß der Finanzberater für die FPÖ im Nationalrat und fiel mit Hetze gegen die "linkslinke Systempresse" und "warme Brüder" in der Kirche auf; einen Tiroler Grünen nannte er "Berufsschwuchtel".

Die Justiz ermittelt in zwei Fällen gegen den 58-Jährigen: Die erste Anzeige betrifft den Text "Tirol oder Türol", den er auf seine Website gestellt hatte. Der Grüne Abgeordnete Karl Öllinger erstattete Anzeige wegen Verhetzung.

Im zweiten Fall geht es um seine mutmaßlichen Kontakte zu einer Neonazi-Website, eine Anzeige wegen Verleumdung ist anhängig. Im September wurde Königshofers Immunität aufgehoben, er bestreitet die Vorwürfe weiterhin vehement.

Bis kurz vor dem Rücktritt hat er betont, dass er auch als "Wilder Abgeordneter" ohne Klubzugehörigkeit im Parlament arbeiten wolle; dass er Mitstreiter bei BZÖ und FPÖ suchen und vielleicht sogar einen Antrag auf Wiederaufnahme in die FPÖ stellen werde: "Mein blaues Herz kann mir auch niemand aus meiner Brust reißen."

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