Politik
10.01.2012

Moneymaker-Räuber verjuxten alles

Es funktionierte wie in der Gelddusche im TV. Warum die Rekord-Beute nicht lang hielt, erzählten die Räuber vor Gericht.

Ab dem vierten Banküberfall von insgesamt 23 Coups in Wien, Wr. Neudorf und Graz waren sie die „Moneymaker-Räuber“. Das Plastiksackerl, in das sie die Beute gestopft hatten, war nämlich zerrissen. Schnell rafften die beiden maskierten Männer so viele Geldscheine wie möglich zusammen, verteilten sie – ähnlich wie die Kandidaten in der Moneymaker-Geldscheffel-Show im ORF – auf ihren ausgestreckten Armen und verließen so die Filiale.

22.000 Euro blieben damals (2004) hängen. Das magere Ergebnis passt nicht in das von Verteidiger Christian Werner aufgeschlagene Lehrbuch, nach dem die Angeklagten seiner Meinung nach mustergültig vorgegangen sind: „Räuber halten sich möglichst kurz in der Bank auf, machen möglichst hohe Beute und verletzen niemanden.“

Sechs Überfälle hat der Mazedonier Vulnet Hamzai alias Julius Vittek allein bzw. mit unbekannten Komplizen verübt, zwei Überfälle wurden von seinem Jugendfreund und Landsmann Nuri Nashati alias Quanil Ismaili begangen, 15 Banken haben sie gemeinsam ausgeraubt. Dabei kamen bis zur Verhaftung im Jänner 2011 insgesamt 1,2 Millionen Euro zusammen, die ihnen quasi zwischen den Fingern zerrannen. Kokainkonsum, Bordellbesuche, „mit leichten Mädels in teuren Hotels“, sagt der 34-jährige Hamzai. Das Ergebnis eines Bankraubes (= rund 100.000 Euro) hielt gerade einmal zwei Wochen.

 

Schock

Manche Bankfilialen wurden bis zu drei Mal heimgesucht. Zum Beispiel jene in Wien-Meidling: Die Kassierin stand vom ersten Überfall noch unter Schock, als man ihr ein paar Wochen später schon wieder eine Pistole an den Kopf hielt. Das Öffnen der Kasse ging den Tätern nicht rasch genug. Hamzai zielte auf einen Kunden und zählte bis fünf („Dann schieß’ ich ihn tot!“), aber das nützte auch nichts. Der 33-jährige Nashati wollte schon ungeduldig werden, da merkte Hamzai: „Die Kassierin konnte gar nichts dafür, sie hat die Kasse einfach nicht aufgebracht.“

Er habe ohnehin nur „bluffen wollen“. In den Waffen waren entweder Platzpatronen geladen oder jeweils nur eine Kugel, „zum Abschrecken.“ Man habe vereinbart: „Wenn es wen trifft, trifft es halt uns, aber niemand anderen.“ Ein Mal wurde wirklich geschossen, in die Scheibe eines geparkten Pkw, um einen Radfahrer zu stoppen. Dieser hatte die Verfolgung der Räuber aufgenommen, die mit dem Fluchtwagen überdies noch im Stau stecken blieben.

Mitten in der Bankraubserie gab es 2010 eine Pause: Der ältere Räuber hatte im Suff einen Kellner verprügelt. Das tat ihm leid, er stellte sich der Polizei, saß einige Wochen in Haft. „Das hat nicht viel Eindruck auf Sie gemacht“, konstatiert Richterin Bettina Neubauer: „Nach der Entlassung haben Sie gleich den nächsten Bankraub gemacht.“

Die Urteile sind für 17. Jänner geplant.