Politik 05.12.2011

Mit guten Bürgermeistern die Landflucht stoppen

© Bild: apa

Der Gemeindebund fordert mehr Geld und eine Absicherung für lokale Politiker.

Die Jungen ziehen in die Städte, ihre früheren Heimatorte veröden. Dieser Trend hat auch Österreich erfasst - mit teils dramatischen Konsequenzen für die betroffenen Kommunen, wie der KURIER in seiner Sonntagausgabe berichtete.

Aber was tun gegen die Landflucht? Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer möchte vor allem bei den Bürgermeistern ansetzen. "Studien haben gezeigt, dass es zu 90 Prozent vom jeweiligen Bürgermeister abhängt, ob sich eine Gemeinde positiv oder negativ entwickelt", sagt Mödlhammer dem KURIER.

"Wir brauchen das beste Personal." Derzeit bekomme man das aber nicht. "Wir wissen aus Untersuchungen, dass zwei Drittel der heimischen Bürgermeister ihr Amt nicht angestrebt haben, sondern dazu überredet worden sind. Zwei Drittel klagen über enorme Belastungen. Die Burn-out-Rate ist hoch." In vielen Orten gebe es gar keine Bürgermeisterkandidaten mehr.

Das weiß auch die SPÖ-ÖVP-Bundesregierung. Sie hat vergangene Woche im Nationalrat beschließen lassen, dass ASVG-Frühpensionisten, die Bürgermeister werden, nicht auf ihre Pension verzichten müssen, wenn sie als Bürgermeister mehr als 370 Euro im Monat verdienen. Bisher durften nur frühpensionierte Beamte ordentlich dazuverdienen.

Haftung

Für Mödlhammer ist das nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Wichtig wären weitere Erleichterungen. Derzeit haften Bürgermeister mit ihrem Privatvermögen für Fehler. Ein Abgeordneter habe es da viel leichter: Er sei immun und einer von vielen, während der Bürgermeister Tag und Nacht erreichbar sei, um bei den Betroffenen seine Entscheidungen zu rechtfertigen.

Ein weiteres Problem sei die Bezahlung. Laut Mödlhammer kassiert ein österreichischer Bürgermeister im Schnitt 1400 Euro netto im Monat. Bürgermeister seien heute nicht mehr nur Verwalter und Repräsentanten, sondern Manager. "Er muss ständig entscheiden: Findet diese oder jene Veranstaltung statt? Wird dieser Bau vorangetrieben oder nicht? Wenn man will, dass fähige Menschen aus der Privatwirtschaft das tun, muss die Bezahlung höher sein", erklärt Mödlhammer.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011