Politik 30.01.2012

Missbrauch: Kirche droht jetzt Klagsserie

Schon wieder will ein Opfer die Kirche auf Schmerzensgeld verklagen. Die Klasnic-Kommission verweigerte die Entschädigung.

Die katholische Kirche muss sich auf eine Serie von Klagen gefasst machen. Denn die Kritik an der Klasnic-Kommission wird immer lauter. Von Kardinal Christoph Schönborn im März 2010 ins Leben gerufen, bearbeitet die hochrangige Expertenrunde Missbrauchsfälle in der Kirche. Bis dato wurden 477 Opfer – unabhängig von der Verjährungsfrist – finanziell entschädigt, 21 Fälle negativ bewertet.

Einige dieser nicht entschädigten Personen kündigen jetzt Klagen an. Darunter auch der 57-jährige Anton F. (tatsächlicher Name der Redaktion bekannt) . Er soll von 1966 bis 1969 als Zögling des steirischen Stiftes Admont von zwei Padres wiederholt ausgepeitscht, bewusstlos geschlagen und vergewaltigt worden sein. Seit damals leidet F. an einem 70-prozentigen Gehörverlust am linken Ohr und einer immer wieder aufplatzenden Wunde am Gesäß. In einem profil-Artikel von 2010 legte einer der mutmaßlichen Peiniger, Pater Koloman V. ein Geständnis ab. Zitat: „Ich bin für die Hörbehinderung des Herren Anton F. verantwortlich. Es tut mir unendlich leid. Ich kann es nicht mehr rückgängig machen.“

Rückgängig gemacht hat der Pater allerdings sein „Geständnis“, so der Sprecher der Plattform Betroffene kirchlicher Gewalt, Sepp Rothwangl. Auch ein Mitgrund, warum die Klasnic-Kommission kein Schmerzensgeld an F. bezahlt hat. Der Sprecher der Kommission, Herwig Hösele, bezog am Montag Stellung zu dem Fall: „Die Kommission hat sich diesen Akt mehrfach angesehen. Es besteht ein Glaubwürdigkeitsproblem.“

Klage angekündigt

Für Anton F. eine klare Vertuschungsaktion: „Ich habe drei unabhängige Gutachten vorgelegt. Und in dem Clearing-Bericht der Klasnic-Kommission bestätigt sogar ein Psychologe die Vorkommnisse.“ Jetzt kündigt der Betroffene eine Klage an: „Ich habe einen Villacher Anwalt damit beauftragt.“ F. folgt damit einem weiteren Missbrauchsopfer das 200.000 Euro Schmerzensgeld vom Vorarlberger Stift Mehrerau fordert (siehe Hintergrund).

 

Wichtige Zeugen

Das mutmaßliche Missbrauchsopfer will weitere Opfer der Padres in Admont als Zeugen anführen. In diesen Fällen sollen die Gewaltexzesse noch nicht verjährt sein. Das würde rechtlich bedeuten, dass die Übergriffe von 1966 bis 1969 wieder aufleben. Kommissionssprecher Hösele: „Dieser Weg steht Herrn Anton F. offen.“

Seit März 2010 zahlte die Kirche 6,4 Millionen Euro an Missbrauchsopfer aus. Weiters wurden 15.000 Therapiestunden finanziert.

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( Kurier ) Erstellt am 30.01.2012