Politik 22.03.2012

Meischberger lieh „Augen und Ohren“ für 140.000 €

© Bild: rts

Warum die Telekom Grassers Trauzeugen fürstlich honorierte – ohne Vertrag und ohne konkrete Gegenleistung.

Stellen Sie sich vor, Sie leihen jemandem Ihre Augen und Ohren; Sie versuchen die Welt zu sehen, wie er sie sieht – oder sehen sollte.

Was wäre das wohl wert?

Bei Walter Meischberger lautet die Antwort: 140.000 Euro pro Jahr, Spesen und Sonderausgaben bzw. -projekte nicht eingerechnet.

Der Trauzeuge von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser musste gestern im Korruptionsuntersuchungsausschuss erklären, warum ihm Peter Hochegger zwischen 2003 und 2008 700.000 Euro als Honorar überwies – ohne schriftlichen Vertrag.

"Ich wurde dafür bezahlt, mit den Augen und Ohren der Telekom Austria durch die Lande zu gehen", sagte Meischberger im Parlament.

Nachlese

Walter Meischberger
© Bild: dapd


Den KURIER-Liveticker von der Befragung von Rumpold und Meischberger finden Sie hier.

Das KURIER-Protokoll zum U-Ausschuss finden Sie hier.



"Privatier und Wechselwähler"

Hochegger habe ihn, so der "Privatier und Wechselwähler" (Meischberger über Meischberger), für sein "Wissen" bezahlt. Der umstrittene Lobbyist erklärte in seiner polizeilichen Einvernahme, Meischbergers Job habe darin bestanden, "Kontakt zu Grasser und seinem Ex-Kabinettschef" zu halten, um für die Telekom zu lobbyieren.

"Hochegger hat sich vielleicht erhofft, dass durch meine Freundschaft mit Herrn Grasser Vorteile zu holen sind", sagte Meischberger. Er habe aber immer klar zwischen Privatem und Geschäftlichem unterschieden – und schon gar nicht habe er Politiker oder Parteien mit finanziellen Zuwendungen bedacht. "Der Bundesminister a. D. hätte das auch harsch abgelehnt."

Es blieb die Frage: Was war ihre Leistung? Was, so wollten die Fraktionen vom Anzugträger mit dem sommerlichen Teint wissen, hatte er denn für die Telekom gemacht, um sein stattliches Salär von 140.000 Euro im Jahr zu rechtfertigen?

Die "strategische Kommunikation" sei sein "Hauptgeschäftsfeld" gewesen; und die gehe so: "Man muss die Ziele eines Kunden sehen und dann Wege erarbeiten, die richtigen Infos auf den richtigen Wegen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Darstellung zu den richtigen Personen zu bringen." Aha.

1,3 Millionen für "Konzepte"

Zu einzelnen (zusätzlichen) Rechnungen entschlug er sich; andere Zusatzprojekte könne er zwar bestätigen, aber das alles sei halt "ein bisschen lang her".

Lang her ist es auch, dass Gernot Rumpold Bundesgeschäftsführer der FPÖ war. Der Ex-Sekretär von Jörg Haider war vor Meischberger im Ausschuss zu Gast. Auch er musste er erklären, worin genau seine Leistung bestanden hatte. Die Justiz hegt den Verdacht, dass die Telekom über Rumpolds Agentur 2004 den Wahlkampf der FPÖ finanzierte. Rumpold erließ der FPÖ damals 764.000 Euro – und erhielt zeitgleich einen Auftrag von der Telekom über 600.000 Euro. Für "Konzepte", von denen laut Staatsanwaltschaft nur mehr die Deckblätter auffindbar sind.

Rumpold bestritt jeglichen Zusammenhang dieser beiden Zahlungen. SPÖ-Abgeordneter Hannes Jarolim hielt ihm vor, Aussagen seiner Ex-Sekretärin würden so klingen, als wäre über seine Agentur Geld gewaschen worden. Rumpold wies dies empört zurück: "Meine ehemalige Mitarbeiterin hat offenbar zu viele Donald- Duck-Bücher gelesen." Es stimme aber, dass sie für ihn öfter dicke Geldkuverts mit großen Scheinen gefüllt habe: Das sei in der Werbe-Branche nicht unüblich; er habe damit etwa bei Events das Catering direkt bezahlt.

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Erstellt am 22.03.2012