Politik 05.12.2011

"Mehr als 60 Prozent nicht unter 18 Jahre"

© Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Nachgefragt: Der KURIER sprach mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner über die neueste Entwicklung bei den Flüchtlingsströmen.

KURIER: Die Zahl der Asylanträge steigt. Ist Österreich mit einer neuen Flüchtlingswelle konfrontiert?
Johanna Mikl-Leitner: Die Signale, die wir haben, sagen uns, dass sich die Situation nicht entspannt. Im Gegenteil: Der Druck auf Europa und Österreich wird wachsen.

Die Ursachen sind?
Einerseits kommen wieder mehr Menschen aus den klassischen Ländern wie Afghanistan, Pakistan oder aus Tschetschenien. Aber auch die Entwicklung in Nordafrika bereitet uns Sorgen.

Auffallend ist, dass jetzt mehr jugendliche Asylwerber Anträge stellen. Warum?
Da ist eine Entwicklung im Gang, die uns herausfordert. Bisher waren es im Schnitt 80 pro Monat. Im August gab es aber 200 Anträge. Das Problem dabei ist, dass hier massiver
Missbrauch betrieben wird. Denn 60 Prozent, die angeben unter 18 Jahre alt zu sein und damit einen besonderen Schutz genießen, sind älter.

Ihre Konsequenzen?

Wir verstärken die medizinischen Untersuchungen. Da geht es nicht nur um Zahntests. Wir verstärken jetzt auch die Handwurzelröntgen. Den Schleppern wollen wir damit klarmachen, dass Asyl-Missbrauch von uns nicht toleriert wird.

Was machen Sie auf europäischer Ebene?

Es ist inakzeptabel, dass nur Österreich gegen Schlepper hochaktiv ist. Da braucht es eine europaweite Anstrengung. In habe mich mit meinem Amtskollegen in Ungarn verständigt, dass wir Druck auf die polnische Ratspräsidentschaft ausüben. Beim Innenministertreffen Mitte September in Brüssel wollen wir den EU-weiten Kampf gegen die Schlepper zum wichtigen Thema machen.

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Erstellt am 05.12.2011