Politik
05.12.2011

Medien-Tycoon Murdoch im Visier des FBI

Telefone von 9/11-Opfern sollen von Mitarbeitern des Medienkonzerns News Corp. angezapft worden sein. Verlagschefin Rebekah Brooks ist zurückgetreten.

Der Abhörskandal um Medienmogul Rupert Murdoch zieht immer weitere Kreise und reicht auch in die USA, seiner Wahlheimat: Die Huffington Post berichtet, dass das FBI dem Verdacht nachgehe, dass Mitarbeiter von Murdochs Medienkonzern News Corp. die Telefone von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 sowie von deren Familien angezapft haben könnten oder dies zumindest versucht haben.

Die New York Times und das Wall Street Journal, das auch zum Murdoch-Imperium gehört, berichteten am Donnerstag übereinstimmend von den begonnenen Untersuchungen und beriefen sich auf eingeweihte Personen.

Nach Informationen des Wall Street Journal will das FBI herausfinden, ob News-Corp.-Mitarbeiter Telefonate abgehört haben, ob sie sich Zugriff auf Handy-Mailboxen verschafft oder Gesprächsaufzeichnungen an sich gebracht haben. Auch wolle das FBI wissen, ob es Versuche gegeben habe, Polizisten zu bestechen, um an die Informationen zu gelangen. Laut der New York Times handelt es sich um Vorermittlungen. Das FBI wollte sich dazu nicht äußern.

Erster Rücktritt

Die Chefin der britischen News Corp-Zeitungssparte News International, Rebekah Brooks, trat unter anhaltendem politischen Druck zurück. In einer Mitteilung an die Angestellten von News International, der britischen Tochter des Konzerns News Corp., erklärte Brooks, sie fühle sich dafür verantwortlich, dass Menschen "verletzt" worden seien. Sie wolle daher noch einmal wiederholen, wie sehr sie die jetzt bekannt gewordenen Vorgänge bedauere. Als Konzernchefin habe sie zuletzt "im Fokus der Debatte" gestanden, erklärte die 43-Jährige. Dies habe von den "ehrlichen Bemühungen" des Konzerns abgelenkt, "die Probleme der Vergangenheit zu lösen". Brooks Nachfolger werde der Chef des ebenfalls zu News Corp. gehörenden PayTV-Senders Sky Italia, Tom Mockridge, teilte News International weiter mit.

Murdoch versucht sich in Schadensbegrenzung

Rupert Murdoch meldete sich unterdessen in einem seltenen Interview selbst zu Wort: Er nahm sowohl seinen Medienkonzern als auch seinen Sohn James in Schutz, der für ihn die Geschäfte in Europa führt. Sein Unternehmen habe die Krise "extrem gut gehandhabt und zwar in jeder Hinsicht", sagte Murdoch dem hauseigenen Wall Street Journal. Es habe nur "kleinere Fehler" gegeben.

Murdochs Sohn im Visier

Murdoch, sein Sohn James sowie Ex-Verlagschefin Rebekah Brooks stehen am nächsten Dienstag vor einem parlamentarischen Ausschuss in Großbritannien Rede und Antwort - die Murdochs hatten lange gezögert mit ihrer Zusage. Rupert Murdoch kündigte auch eine firmeninterne Untersuchung an, die von einer unabhängigen Kommission durchgeführt werden solle.

In den vergangenen Tagen gab es immer neue Enthüllungen, wie Reporter der News of the World in Großbritannien die Telefone von Verbrechensopfern, Prominenten und Politikern abgehört haben. Der Aktienkurs der News Corp. stürzte daraufhin ab; Murdoch gab nach scharfem Gegenwind aus der britischen Politik die milliardenschwere Komplettübernahme der Senderkette BSkyB auf. "Ich komme darüber hinweg", sagte Murdoch zu den Negativschlagzeilen. Bisher habe sein Unternehmen noch keine Schäden davongetragen, "die nicht repariert werden könnten".

Auch Murdochs Sohn James war unter Beschuss geraten. Ihm war vorgeworfen worden, nicht schnell genug durchgegriffen zu haben. James Murdoch kündigte am Freitag an, es würden in den Wochenendausgaben aller landesweit erscheinenden Zeitungen Anzeigen geschaltet. "Das Unternehmen hat Fehler gemacht", schrieb der Sohn des Medienmoguls in einer Notiz an die Mitarbeiter von News International. Zusätzlich würden Briefe an die Anzeigenkunden verschickt, in denen genau dokumentiert sei, welche Schritte zur Lösung der Krise unternommen worden seien.

Falsche Trennungsgerüchte

Das Wall Street Journal ist eines der Aushängeschilder des Medienimperiums, zu dem unter anderem noch das Boulevardblatt New York Post, das Filmstudio 20th Century Fox, die Fox-Fernsehsender sowie Buchverlage gehören. Der Skandal ereignete sich aber beim britischem Sonntagsblatt News of the World, das Murdoch daraufhin eingestampft hat.

Rupert Murdoch hat nach eigenen Angaben auch keine Pläne, sich von seinem Zeitungsgeschäft zu trennen, auf das er sein Imperium aufgebaut hatte. In Medien waren schon früh Spekulationen aufgekommen, er könnte sich von seinen verbliebenen britischen Blättern The Sun, The Times und The Sunday Times trennen. Murdoch bezeichnete diese Berichte als "puren Müll".

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