© KURIER/Stephan Boroviczeny

Politik
01/12/2012

Mattscheibe

Die überfallsartige Kindesabnahme wird mit Fehlinformationen verschleiert.

von Ricardo Peyerl

So ein rigoroses Eingreifen wie die Trennung der Mordverdächtigen von ihrem Baby bei Nacht und Nebel hätte man sich von den Fürsorgebehörden in den Fällen Luca und Cain gewünscht. Die Gewaltbereitschaft der Pflegeväter war bekannt, Misshandlungsspuren waren nicht zu übersehen, trotzdem überließ man die Kinder ihrem letztlich tödlichen Schicksal.

Bei Estibaliz C. aber befand das Jugendamt schon den Körperkontakt samt Stillen in den ersten Lebenstagen oder Wochen für zu riskant. Dabei kann keine Mutter besser überwacht sein als eine, die in U-Haft sitzt.

Weil die vorschnelle Begründung, die ein Pflegschaftsrichter erst noch genehmigen muss, vielleicht ein bisschen hinkt, hat man noch eine andere aus dem Hut gezaubert: Der Kontakt zwischen Kind und Vater, der die Hauptbezugsperson werden soll, könne in der U-Haft nur durch eine Glasscheibe erfolgen und sei daher blockiert. Hat da jemand eine Mattscheibe? Das Jugendamt kennt die flexiblen Möglichkeiten in der Mutter-Kind-Abteilung im Gefängnis sehr gut. Die Kinder sind dort ja nicht eingesperrt. Der Vater kann seinen Sohn jederzeit holen, mit nach Hause nehmen und wieder bringen. An einer solchen Reparatur wird nun – mit völlig unnötiger Verspätung – gearbeitet.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Interview

  • Hintergrund

  • Hauptartikel

  • Kommentar

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.