Politik
16.03.2012

Maria Gail kämpft gegen ein Bordell

Im "sündigen Süden" Villachs soll ein weiteres Bordell entstehen. Doch in der Dorfgemeinschaft regt sich erbitterter Widerstand.

Schule, Bushaltestelle, ein Marienpilgerpfad, über die Straße Wohngebiet und Pflegeheim – und mittendrin, just an der Autobahnabfahrt Faaker See, ein Bordell: Das geht nicht, befindet die Dorfgemeinschaft Maria Gail und steigt schon jetzt auf die Barrikaden. "Maria Gail darf nicht Sex City werden", sagt Brigitte Popotnik, Sprecherin der Dorfgemeinschaft, aus tiefster Überzeugung. Denn in nur 600 Metern Luftlinie besteht bereits seit 2008 ein großes Etablissement, ein Sauna- und Wellnessklub mit 65 Damen. "Dort stehen in der Nacht die Autos vom großen Parkplatz bis auf die Straße hinaus", weiß die Obfrau der Dorfgemeinschaft, Christa Mitterböck.

Rund 360 Unterschriften wurden bereits gesammelt, und die Gegner des Projekts in Maria Gail/Prossowitsch wollen bis zur Straßen­blockade gehen. Eine Pro-Bordell-Liste in seinem Lokal, wonach etwa die Ge­werbebetriebe im Umfeld von der Ansiedlung des horizontalen Gewerbes profitieren würden, bezeichnet Land- und Gastwirt Heinz Moser heute als Jux: "Das war ein verspäteter Faschings- und verfrühter Aprilscherz."

Kleiner Grenzverkehr

Zum Großteil sind die Kunden der "Rotlichtmeile Villach" Italiener, weil Bordelle in Italien verboten sind, Villach nahe liegt und über eine gute Autobahnanbindung verfügt. Aber auch durchreisende Geschäftsleute, Außendienstmitarbeiter und Einheimische lassen sich gerne in der Draustadt, die 59.000 Einwohner hat, in insgesamt zwölf "Hotspots" verwöhnen.

Die Betreiber des großen Wellnessklubs im Gewerbegebiet mit 65 Damen sind wenig überraschend Italiener, wie auch die aktuellen Antragsteller – ein Schönheitschirurg, ein Mediziner und ein Apotheker. "Auf maximal 4000 Quadrat­metern soll ein Etablissement mit Restaurant, Wellnessbereich und 30 Zimmern im toskanischen Villenstil errichtet werden", bestätigt der Villacher Behördenleiter Alfred Winkler.

Derzeit laufe das Vorprüfungsverfahren. "Aus Sicht der Volksgesundheit sind solche Einrichtungen ja nicht schlecht", überlegt Winkler. "Aber Villach hat da mit zwölf Bordellen und 140 gemeldeten Prostituierten ohnehin schon eine große Dichte."

Zeit

Noch könne man Zeit schinden: "Es fehlt noch die Zustimmung der Grundstücksbesitzerin. Und wir haben nicht den Wunsch, die schnellste Behörde bei der Genehmigung von Bordellen zu werden", meint Winkler. Wenn allerdings das Vorprüfungsverfahren positiv abgeschlossen und das Genehmigungsverfahren eingeleitet ist, gibt es kaum noch Chance auf Ablehnung. Das Gesetz sieht eine Entscheidung innerhalb von sechs Monaten vor.

"Wir hoffen auf die be­antragte Schutzzone von 300 Metern, die seit einem Jahr unbehandelt im Landtag liegt", bekräftigt der Maria Gailer Diakon Mirko Hofer. Derzeit gelten 150 Meter Entfernung zu Schulen.

Zeit

Noch könne man Zeit schinden: "Es fehlt noch die Zustimmung der Grundstücksbesitzerin. Und wir haben nicht den Wunsch, die schnellste Behörde bei der Genehmigung von Bordellen zu werden", meint Winkler. Wenn allerdings das Vorprüfungsverfahren positiv abgeschlossen und das Genehmigungsverfahren eingeleitet ist, gibt es kaum noch Chance auf Ablehnung. Das Gesetz sieht eine Entscheidung innerhalb von sechs Monaten vor.

"Wir hoffen auf die be­antragte Schutzzone von 300 Metern, die seit einem Jahr unbehandelt im Landtag liegt", bekräftigt der Maria Gailer Diakon Mirko Hofer. Derzeit gelten 150 Meter Entfernung zu Schulen.

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