Politik
14.03.2012

Leihwagenfirma versendet dubiose Schadensmeldungen

Für Shchäden, die sie nicht verursacht haben, fordert Sixt mehrere hundert Euro von seinen Kunden.

Bei der Firma Sixt wird Julia Sobieszek kein Auto mehr mieten. Drei Tage lang hat sich die 26-Jährige dort im September 2011 einen Leihwagen ausgeborgt. Wochen später bekam sie unerwartete Post: Die Verleihfirma forderte 500 Euro von der Wienerin, weil sie einen Lackschaden an dem Auto hinterlassen hätte. Sobieszek bestreitet das. Die Verleihfirma hat auf die Forderung mittlerweile verzichtet. Doch auch andere Kunden berichten von Schadensmeldungen, die sie nicht verursacht hätten.

"Es hat mich gewundert, dass die Meldung erst eineinhalb Monate nach dem angeblichen Vorfall verschickt wurde", sagt Sobieszek (erhalten hat sie den Brief durch einen Adressfehler erst im Jänner) . Daraufhin forderte sie von Sixt alle Unterlagen an. Bekommen hat sie unter anderem Fotos vom Lackschaden. Da sich die Frau mit Bildbearbeitung auskennt, überprüfte sie das Erstellungsdatum. Und siehe da: Die Fotos waren am 14. November gemacht worden, drei Tage, nachdem der erste Brief versandt worden war.

Beweisfotos

Sobieszek wandte sich an die Medien. Auf Nachfrage bestreitet Sixt erst gar nicht, dass die Fotos erst im November aufgenommen wurden: Die Techniker hätten den Schaden zwar sofort nach Rückgabe des Autos erkannt, "aus EDV-technischen Gründen konnten sie leider nicht direkt Beweisfotos machen." Auf die Schadensbegleichung hat Sixt aus "Kulanzgründen" mittlerweile verzichtet. Diese "Kulanz" hat Brigitte Pointner nicht erfahren.

Auch ihr flatterte drei Wochen nachdem sie im Juni 2010 einen Wagen von Sixt ausgeborgt hatte, eine Schadensforderung von 700 Euro ins Haus. Auch sie bestreitet, den Schaden verursacht zu haben. Aus Angst vor einem Rechtsstreit zahlte sie dennoch. In Internet-Foren schwelen unterdessen Gerüchte über unlautere Methoden bei Sixt. Demnach würden bei Schadensfällen drei bis fünf Mieter gleichzeitig angeschrieben, in der Hoffnung, dass die Rechnung von einem oder mehreren beglichen werde. Sixt bestreitet diese Vorwürfe. Die User geben einander im Forum Ratschläge, wie auf die Schadensmeldungen zu reagieren sei: "Einfach mit dem Anwalt drohen, dann hört man von Sixt meist nichts mehr", schreibt einer.