Politik 05.12.2011

Kurz: "Deutsch hat Vorrang"

© Bild: APA/ROBERT JAEGER

Die Industriellen-Vereinigung will mehr Unterricht in fremden Muttersprachen. VP-Kurz und die SPÖ halten dagegen.

Seit Langem schon wird darüber debattiert, wie man Kinder mit Migrationshintergrund und nicht deutscher Muttersprache am besten beim Deutschlernen unterstützen kann. Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, zeigte zuletzt der aktuelle Integrationsbericht des Innenministeriums: Laut Experten liegt der Sprachförderbedarf bei Kindern mit nicht deutscher Muttersprache demnach bei 80 Prozent - jener bei Kindern mit deutscher Muttersprache bei nur 15 Prozent. Alarmierend ist eine zweite Statistik: Kinder nicht deutscher Muttersprache sind laut Integrationsbericht außerdem vier Mal so oft Schulabbrecher wie Kinder ohne Migrationshintergrund.

Aus der Industrie kommt nun ein mutiger Vorstoß: Im KURIER-Interview (siehe: IV:"Es geht um unseren Wohlstand") fordert Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, in der Schule Lesen und Schreiben in der Muttersprache zu unterrichten. "Eine Alphabetisierung der Zuwandererkinder in der Muttersprache wäre sinnvoll", sagt Neumayer. "Sie lernen dann auch besser Deutsch - und Deutsch muss der Schwerpunkt sein."

Zurückhaltung

Auf Regierungsebene kann man damit wenig anfangen. "Natürlich ist es von großem Wert, mehrere Sprachen zu sprechen", sagt Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz. "In der Schule ist aber vorrangig, dass alle Kinder ausreichend Deutsch können, um dem Unterricht folgen zu können." Kurz will den Sprachproblemen mittels verpflichtendem zweiten Kindergartenjahr beikommen.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will zu Neumayers Vorstoß gleich gar nichts sagen. Sie ist traditionell vorsichtig, wenn es um Unterricht in der Muttersprache geht: Als vor sechs Wochen kurz diskutiert wurde, ob Türkisch als Fremdsprache zum Maturafach werden solle, wollte Schmied ohne Abstimmung mit der ÖVP nichts sagen - das Thema versandete.

Absage

Von SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer gibt es eine Absage an die IV-Pläne: "Neueste Ergebnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass die bisher gängige Meinung, Kinder sollten zuerst ihre Muttersprache und dann Deutsch lernen, überholt ist. Entscheidend ist, dass sie eine Sprache ordentlich lernen", sagt Mayer. Dies sollte grundsätzlich Deutsch sein, denn: "Viele dieser Kinder wachsen nicht klassisch zweisprachig auf, weil oft schon die Eltern ihre Muttersprache nicht ordentlich gelernt haben. Da bringt es nichts, wenn man krampfhaft versucht, den Kindern zuerst diese und dann Deutsch beizubringen."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011