KURIER-Reporterin in WikiLeaks genannt

Im AKW Busher: Livia Klingl bei ihrer Recherche-Reise im Jahr 2007.
Foto: KURIER/Gnedt

US-Depeschen: Nach einer Datenpanne bei der Enthüllungsplattform taucht Livia Klingl mit vollem Namen auf. Sie ist "sauer".

Man schrieb den 24. März 2009. KURIER-Reporterin Livia Klingl war mit einem Kollegen beim US-Botschafter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien in dessen Residenz zum Mittagessen geladen. Ziel des Diplomaten: Informationen über den Iran, mit dem die USA wegen dessen Atomprogramm im Clinch lagen und noch immer sind.

"Die USA hatten damals niemanden, der das Land von innen kannte, sie waren auf die wenig zuverlässlichen Quellen von Exil-Iranern angewiesen. Ich aber hatte aus dem Land schon mehrmals berichtet", sagt Klingl. Zweieinhalb Stunden habe das Gespräch gedauert, eine Mitarbeiterin habe jedes Wort notiert. Eine Woche später wurde die Depesche nach Washington gekabelt. Topsecret, versteht sich.

Doch nach der jüngsten Datenpanne bei der Enthüllungsplattform WikiLeaks sind diese Berichte im Internet frei zugänglich - ohne dass die Namen der Informanten oder Gesprächspartner unkenntlich gemacht wurden.

"Echt gefährlich"

Im AKW Busher: Livia Klingl bei ihrer Recherche-Reise im Jahr 2007. Foto: KURIER/Gnedt Im AKW Busher: Livia Klingl bei ihrer Recherche-Reise im Jahr 2007.

"Ich bin sauer", betont Klingl, "wenn man weiß, wie schnell das Regime in Teheran mit Spionagevorwürfen zur Hand ist, kann ich nur sagen, dass ich froh bin, derzeit nicht im Iran zu sein. Das könnte echt gefährlich sein. Außerdem wird es künftig wohl verdammt schwer sein, eine Recherche-Reise in das Land zu unternehmen." In diesem Zusammenhang hat die US-Regierung WikiLeaks vorgeworfen, das Leben Tausender Menschen aufs Spiel zu setzen.

Befragt wurden die Journalisten an jenem 24. März über die allgemeine Lage im Iran, über den Besuch Klingls im iranische Atomkraftwerk Busher, das sich damals im Bau
befand, und über deren Einschätzung der Politik von US-Präsident Obama gegenüber dem Iran. Verärgert ist Klingl auch über den Inhalt der Depesche: "Vieles, das übermittelt wurde, ist komplett anders, als ich es gesagt habe."

Die Enthüllungsplattform will die KURIER-Mitarbeiterin dennoch nicht in Bausch und Bogen verdammen: "Es ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits erfährt man manchmal wirklich Brisantes und hoch Politisches, andererseits ist man als Individuum wehrlos. Wie komme ich dazu, dass mein Name jetzt veröffentlicht ist?"

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(kurier) Erstellt am
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