Politik 05.12.2011

Kuh Yvonne hält halb Oberbayern in Atem

Das entlaufene Tier wird in Bayern zur Berühmtheit. Bis jetzt hat sich Yvonne jedem Versuch entzogen, sie einzufangen.

Schon seit mehr als zwei Monaten hält eine entlaufene Kuh Jäger, Tierschützer und das bayrische Landratsamt in Atem.

Yvonne zieht es vor, im oberbayrischen Kreis Mühldorf im Wald zu leben, anstatt sich vom Bauern mästen zu lassen. Michael Aufhauser vom Gut Aiderbichl hat sich jetzt mit einem Team auf die Pirsch begeben, um die Kuh, die ein Reh sein will, zu retten.

Denn das Tier wurde zum Abschuss freigegeben, sollte es für Menschen oder den Straßenverkehr eine Gefahr darstellen. Tierschützer Aufhauser hat dem Bauern die entlaufene Kuh um 700 Euro abgekauft.

Aufwand

"Wir sind seit zehn Tagen mit Jägern und Betäubungsgewehr auf der Suche. Wir sind guten Mutes, dass wir sie heute fangen könnten", meinte Aufhauser am Donnerstag. Die Tierschützer haben einen ausgefuchsten Plan entwickelt, wie sie die scheue Yvonne anlocken wollen.

"Wir haben herausgefunden, wo ihre Wasserstelle ist. Dort sind wir mit unserem Team unterwegs", erklärt Aufhauser. Außerdem wurden zwei Lockvögel positioniert. "Die Kühe Waltraud und Waldi, zwei Freunde, stehen eingezäunt am Waldrand. Sie haben schon gerufen und Yvonne hat zurückgerufen."

Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass sich die verwilderte Kuh doch einer Herde anschließen möchte. Das Rind war am 24. Mai von einer Weide entwischt. Ein österreichischer Bauer hatte es zuvor an einen bayrischen Kollegen verkauft. Der hatte dem Tier ein nicht ungewöhnliches Schicksal angedacht: Yvonne sollte gemästet und geschlachtet werden. Doch das Tier riss aus. "Wenn Rinder längere Zeit wieder in freier Natur sind, kehrt ihr Naturinstinkt zurück und sie werden wieder zu Wildtieren", erklärt Aufhauser.

Kult-Kuh

Yvonne ist mittlerweile zur Kult-Kuh geworden und in der Bevölkerung hofft man, dass das sechsjährige Tier gerettet wird. Doch die Behörden stufen die Kuh als Sicherheitsrisiko ein. Auf der Straße neben Yvonnes Wald gelten seit Kurzem statt 100 km/h nur mehr 30 km/h. Auch weil die Kuh erst mit der Dämmerung den Wald verlässt.

In Deutschland sorgt Yvonne auf jeden Fall für ein unglaubliches Medienecho. "Wenn wir Yvonne betäuben können, darf sie mit den Lockvögeln Waltraud und Waldi in unserm Gut Aiderbichl in Deggendorf ihren Lebensabend verbringen", sagt Aiderbichl-Chef Aufhauser.

Insgesamt gibt es auf seinen Gnadenhöfen 400 Rinder, etwa hundert davon waren zuvor ausgebüchst - was sie vor dem Schlachthof bewahrte.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011