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Politik
09/14/2012

Kopten fürchten Racheakte

Der Filmemacher des umstrittenen Anti-Islam-Films könnte ein Kopte sein. Die Christen fürchten nun einen Racheakt.

Die koptische Kirche Ägyptens hat sich in aller Schärfe von dem Anti-Islam-Video distanziert, einige christlichen Gruppen riefen sogar dazu auf, sich an den Protesten dagegen zu beteiligen. Es ist eine Vorwärtsverteidigung, denn viele Christen haben Angst, die Wut der Muslime könnte sich am Ende gegen sie und ihre schlecht geschützten Kirchen richten.

Die Angst ist durchaus berechtigt, denn hinter dem Schmäh-Video könnte ein koptischer Christ stehen, der in Kalifornien lebt. Nakoula Basseley Nakoula ist nach eigenen Angaben Chef der Produktionsfirma des unglückseligen Streifens, bestreitet aber, der Autor zu sein. Der tritt unter dem Namen Sam Bacile auf und hat mehreren US-Medien telefonisch Interviews gegeben. Seine Handy-Nummer führte Journalisten aber geradewegs zu Nakoulas Adresse. Auch klingt Bacile wie eine Abwandlung seines mittleren Namens Basseley.

Seither wird das Haus des 55-Jährigen in Cerritos, 40 Kilometer südlich von Los Angeles, von Reportern belagert. Nakoula bat die Polizei um Schutz. "Wir haben eine Bitte erhalten und wir antworten darauf. Wir sind Garanten der öffentlichen Sicherheit", erklärte der Sprecher des Sheriffs von Los Angeles.

Nakoula ist schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Zuletzt wurde er zu 21 Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe von umgerechnet 600.000 Euro verurteilt.

Kopten im Visier

In Ägypten leben etwa fünf bis acht Millionen Christen, die meisten davon Kopten. Viele von ihnen fühlen sich vom Staat benachteiligt. Die Zahl von Gewalttaten gegen die Minderheit steigt am. Immer wieder kam es in den vergangenen zehn Jahren zu Übergriffen und Attentaten.

Bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria wurden am Neujahrstag 2011 mindestens 21 Menschen getötet. Wenige Tage später schoss ein Polizist in Zivil während einer Zugfahrt auf eine Gruppe von Kopten und tötete einen Mann.

Am 7. Mai 2011 griffen Salafisten die St.-Mina-Kirche im Kairoer Stadtteil Imbaba an und setzten sie in Brand. Es gab Gerüchte, dass in der Kirche eine Frau gegen ihren Willen festgehalten wurde, die zum Islam konvertiert war, um einen Muslim zu heiraten. Straßenschlachten vor der Kirche forderten zwölf Tote und 230 Verletzte.

Am 9. Oktober 2011 kamen bei einer Demonstration koptischer Christen in Kairo 24 Menschen ums Leben, als Soldaten mit Panzern in die Menge fuhren.

Mehr zu der Situation der Kopten in Ägypten lesen Sie hier.

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