Politik
01.02.2012

Konflikt um Falklands spitzt sich zu

London schickt ein Kriegsschiff und Kronprinz William in den Südatlantik. In Argentinien spricht man schon von Krieg.

Es ist wie so oft in solchen Situationen alles lediglich militärische Routine: Großbritanniens modernstes und bestgerüstetes Kriegsschiff, die „HMS-Dauntless“, nimmt Kurs auf den Südatlantik. Dort, vor den britischen Falkland Islands, wird der Zerstörer kreuzen – und bekommt dabei prominenten Besuch auf einem seiner zwei Helikopter-Landeplätze: Prinz William persönlich tritt in diesen Tagen seinen Dienst als Hubschrauber-Pilot auf den Inseln an. Alles seit Monaten geplante Einsätze, versichert die Armeeführung in London. In Argentinien jedoch versteht man dieses Vorgehen ganz anders: als gezielte Eskalation eines Konfliktes, der seit Wochen immer bedrohlicher wird.

Exakt 30 Jahre nach dem Krieg um die Falklands streiten Großbritannien und Argentinien wieder um die einsamen Felsinseln im Südatlantik, die die Argentinier „Malvinas“ nennen. In der „Uniform eines Eroberers“ würde Prinz William dort seinen Dienst antreten, erklärte das Außenministerium in Buenos Aires, Großbritannien würde den Konflikt „militarisieren“.

Häfen gesperrt

Schon hat Argentinien, gemeinsam mit den Nachbarstaaten Brasilien und Uruguay, seine Häfen für Boote von den Falklands gesperrt. Auch droht man damit, dem wöchentlichen Linienflieger von den Inseln keine Landeerlaubnis mehr zu erteilen. Demonstranten in der Hauptstadt verbrennen öffentlich die britische Flagge.

Der britische Premier David Cameron hat bereits sein Sicherheitskabinett einberufen, damit „alles vorbereitet“ sei. „Kolonialismus“ nennt er die Ansprüche Argentiniens auf die Inseln.

Die hat Buenos Aires tatsächlich in jüngster Zeit massiv verstärkt. Nicht nur durch die Blockade – auch vor der UNO versucht man, die Falklands zugesprochen zu bekommen.

Wettlauf um Öl und Gas

Anders als vor 30 Jahren geht es heute nicht nur um patriotische Wallungen. 1998 wurden vor den Inseln Öl- und bald auch Gasvorkommen entdeckt. Seither reißen sich britische Konzerne um Förderlizenzen. Jüngste Probebohrungen der Firma Rockhoppers waren erfolgreich. Man entdeckte drei Öl- und drei Gasquellen, sowie eine Reihe weiterer großer potenzieller Vorkommen.

Den Regierungen beider Länder kommt der plötzliche Ausbruch patriotischer Gefühle durchaus gelegen, stehen sie doch vor massiven wirtschaftlichen und damit auch politischen Schwierigkeiten.

Premier Cameron, der sich gerade vom rechten Flügel seiner Konservativen vorwerfen lassen muss, vor der EU eingeknickt zu sein, weiß beim Streit um die Falklands sogar die Opposition hinter sich. Argentiniens Präsidentin Christina Kirchner kann damit den Lohnkonflikt mit den Gewerkschaften aus den Schlagzeilen verdrängen.

Jeder Anlass scheint in diesen Tagen recht, um den Konflikt anzuheizen. So sorgt auch die in Argentinien für diese Woche anstehende Premiere des Films „Die eiserne Lady“ für öffentliche Empörung. Meryl Streep spielt darin die britische Premierministerin Margaret Thatcher. Schon in der Vorschau war eine Schlüsselszene prominent vertreten: Thatchers Rede, in der sie den Gegenangriff der britischen Streitkräfte auf die von Argentinien besetzten Falkland-Inseln verkündet.