Politik
13.03.2012

Kirchenvolk will auch Pfarrer wählen

Über Pfarrer abstimmen und bei der Ernennung von Bischöfen mitreden – das fordern jetzt führende Laienvertreter.

Bert Brandstetter hat sich seine Hörner in der Kirche noch nicht abgestoßen. Seit November 2011 ist er Vorsitzender der Katholischen Aktion (KA) der Diözese Linz. Sie ist mit 100.000 Mitgliedern die schlagkräftigste Laienorganisation (österreichweit rund 400.000). Der ehemalige ORF- Journalist will mehr Mitsprache in der römisch-katholischen Kirche. "Ich fordere das, auch wenn ich weiß, dass das die nächsten Jahre noch nicht so sein wird", sagt er gegenüber dem KURIER.

Sein Begehr: Die Amtszeit der Pfarrer soll auf zehn Jahre beschränkt werden. Danach sollen sie entweder die Pfarre wechseln oder sich der Wiederwahl durch die Gläubigen stellen. Er sieht darin zwei Vorteile: "Die Gläubigen können sich von einem Pfarrer trennen, wenn sie nicht mehr mit ihm kooperieren können. Und der Pfarrer kann eine Pfarre ohne Gesichtsverlust verlassen, wenn das Klima nicht stimmt." Derzeit werden Pfarrer ähnlich wie Richter auf Lebenszeit bestellt. Als Vorbild für seinen Vorstoß nennt Brandstetter die Äbte von Klöstern, die sich regelmäßig der Wiederwahl durch den Konvent stellen müssen.

Bischöfe

Der zweite Vorstoß Brandstetters betrifft die Bischofsernennungen. Der Pastoralrat als höchstes Gremium der Diözese sollte einen Dreiervorschlag erstellen, aus dem der Papst auswählt.

Auch wenn Brandstetter skeptisch ist – "Chance auf Realisierung hat keiner dieser Vorschläge" – , so gibt es doch gewisse Möglichkeiten. "Die Einführung einer begrenzten Amtszeit für Pfarrer ist möglich, wenn die Bischofskonferenz zustimmen würde", sagt Herbert Kalb, Rechtshistoriker und Staatskirchenrechtler an der Universität Linz.

Die Ernennung von Bischöfen ist zwar ein freies Recht des Papstes, die Drehscheibe sei jedoch der Nuntius. Dieser hätte die Möglichkeit, das Ernennungsverfahren transparent oder intransparent durchzuführen. So könnte er zum Beispiel Laien über geeignete Kandidaten befragen.

Rund eine Million Katholiken wählen am Sonntag 30.000 Pfarrgemeinderäte. Trotz ihrer lediglich beratenden Funktion "tragen sie sehr wohl zur Fortentwicklung der Pfarren bei" (Kalb). "Sie sind wichtig und haben sich bewährt." Sie werden angesichts des Priestermangels immer wichtiger. In der Diözese Linz werden bereits mehr als 50 Pfarren von einem vierköpfigen Seelsorgeteam geleitet, das sich aus Pfarrgemeinderäten zusammensetzt.

Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz ist skeptisch gegenüber der Wahl der Pfarrer. Es gebe gute Gründe für die Beibehaltung der bisherigen Regelung. Zur Mitsprache bei den Bischofsernennungen sagt er, der Nuntius könne und sollte Personen aus der Diözese bei der Kandidatenfindung miteinbeziehen. Kardinal Christoph Schönborn wollte nicht Stellung nehmen und verwies auf Ludwig Schwarz.

Pfarrgemeinderäte: 4,5 Millionen sind zu den Urnen gerufen

Am Sonntag ist es wieder so weit: Österreichweit stehen – wie alle fünf Jahre– die Pfarrgemeinderatswahlen an.
Der Pfarrgemeinderat ist das von den Mitgliedern einer Pfarre gewählte Laien-Gremium, das gemeinsam mit den hauptamtlichen Kirchenmitarbeitern und Geistlichen die Abläufe in einer Gemeinde mitgestalten.
Zur Wahl am Sonntag stehen insgesamt rund 30.000 ehrenamtliche Pfarrgemeinderäte. Die Zahl der Mitglieder eines Pfarrgemeinderates hängt von der Größe der Pfarre ab.
Von den 5,4 Millionen Katholiken in Österreich (Stand 2010) sind rund 4,5 Millionen wahlberechtigt (ab dem 14. oder 16. Lebensjahr). Bei den letzten Wahlen 2007 machte etwa jeder fünfte Katholik (20,32 Prozent) von seinem Stimmrecht Gebrauch.