Politik
05.12.2011

Kirchenfürsten geraten unter Druck

Der Reform-Aufruf der Priester-Initiative spitzt sich zu einer Belastungsprobe in der Kirche zu. Auch Promis wollen eine Modernisierung.

Er bezeichnet sich selbst als den "kritischsten Katholiken überhaupt", und trat wegen des Kirchenbeitrages aus. Jetzt kehrt Niki Lauda wieder in die zahlende Kirchengemeinde zurück. Und er wird auch seine Zwillinge Mia und Max taufen lassen. Trotzdem bleibt Lauda kritisch: "Ich befinde mich zwar erst in der Integrationsphase, es ist aber unbestritten, dass in der Kirche eine Modernisierung nötig ist. Man muss sich der Zeit stellen."

Das fordert auch Kirchen-Rebell Helmut Schüller. Der Pfarrer von Probstdorf legte sich schon einmal, als Generalvikar, mit dem Klerus an. Damals legte ihm Kardinal Christoph Schönborn wegen "tief greifender Meinungsverschiedenheiten" die schriftliche Kündigung vor die Wohnungstür.

Keine Kinderjause

Auch jetzt droht Schüller wegen des öffentlichen Aufrufs zum Ungehorsam ein Kirchenausschluss. Er lässt sich aber nicht beirren: "Die Öffnung zur Moderne ist für die Kirche sicher keine Kinderjause. Wir müssen es mit der heutigen Zeit aufnehmen."
Schüller fordert das Ende des Zölibats, Priesterweihe für Frauen, Wiederverheiratung von Geschiedenen sowie die Einführung von Laienpredigern. In Anbetracht der Massenflucht aus der Kirche und der versteinerten Strukturen stehen nach Schätzungen rund 80 Prozent der 4300 Priester hinter diesen Forderungen.

Der Pastoraltheologe Paul Zulehner bestätigt: "Ich glaube auch, dass 80 Prozent der Geistlichen Schüllers Forderungen unterstützen." Eine Telefonumfrage unter 500 Priestern des Instituts GfK Austria ergab weitere Details: 75 Prozent der Priester fühlen sich stark überlastet, nur 66 Prozent würden wieder Priester werden, 50 Prozent denken in wichtigen Fragen anders als die Kirchenleitung und 25 Prozent leiden an Vereinsamung.

Hinter den steinernen Diözesan-Mauern regiert Unruhe und es besteht Handlungsbedarf. Noch vor der Bischofskonferenz (ab 7. November in Salzburg) ist ein Treffen zwischen Kardinal Schönborn, Schüller und vier Wiener Erzdiözesan-Priestern angesetzt. Auf KURIER-Anfrage sieht die Kirchenleitung allerdings nur bei dem Thema Eheschließung Geschiedener "Verhandlungsspielraum". Für Reformer Schüller ist das zu wenig: "Mir kommt es so vor, als wäre die Kirchenführung schockgefroren."

Tatsache ist, dass zehn österreichische Bischöfe (neun Diözesen, ein Militär-Bischof) die Anliegen der heimischen Gläubigen in Rom vertreten sollen. Dazu muss sich aber der elitäre Kreis der Kirchen-Manager auf eine Linie einigen.

Bruch unter Bischöfen

"Davon aber sind die Bischöfe noch weit entfernt", weiß Peter Pawlowsky, ehemaliger Chef der Hauptabteilung Religion im ORF und jetzige Sprecher der 2009 gegründeten Laieninitiative. Dieser Verein (www.laieninitiative.at) greift bereits auf 12.000 engagierte Unterstützer zurück und steht hinter den Forderungen Schüllers. Der 59-jährige Kirchen-Rebell ortet in der Bischofskonferenz einen Bruch: "Die Hälfte der kirchlichen Entscheidungsträger sind von Reform-Bestrebungen gar nicht so weit entfernt."

Der langjährige Sprecher der Bischofskonferenz, Paul Wuthe, räumt zumindest ein, dass Schüllers Reformkampagne beim Treffen der höchsten kirchlichen Würdenträger "sicher ein Thema sein wird". In der Zwischenzeit stellt Schüller seine Reformbewegung weiter auf. Er steht in Irland, Deutschland, den USA und sogar Mexiko mit sympathisierenden Priestern in engem Kontakt.

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