Politik
05.12.2011

Kirchen-Rebell Schüller sucht Verbündete

Von Kardinal Schönborn kritisiert, schmiedet Pfarrer Schüller Allianzen mit Sympathisanten. Die Lage bleibt angespannt.

Während sich der Reformwille der Kirchenfürsten in Rom in Grenzen hält, formiert sich in Österreich - hinter den Kulissen - eine breite Bewegung für eine "moderne Kirche".

Treibende Kraft dabei ist der Probstdorfer Pfarrer Helmut Schüller (59). Er forderte kürzlich im Internet (www.pfarrer-initiative.at) zum "Ungehorsam" auf. 328 von 4293 Priestern folgten spontan seinem Ruf. Der Fokus liegt dabei auf den Themen Zölibat, Eheschließungen von Geschiedenen, weibliche Priester sowie Laien als Prediger (der KURIER berichtete ).

Am Mittwoch gab es ein Geheimtreffen von Monsignore Schüller und dem Sprecher der Plattform "Wir sind Kirche" Hans-Peter Hurka. Beide gelten als Speerspitze der christlichen Reformbewegung. Hurka schaffte mit seiner Plattform beim Kirchenvolksbegehren 505.000 Unterschriften. Mit dieser riesigen Sympathisanten-Gruppe soll in Zukunft Druck auf Österreichs Kirchen-Manager ausgeübt werden.

Schüller sagte nach dem Treffen zum KURIER: "Wir fordern, dass Österreichs Bischöfe unsere Anliegen in Rom vorbringen." Hurka schloss sich dieser Argumentation an: "Theoretische Lösungen braucht es nicht mehr. Die liegen auf dem Tisch. Es geht jetzt um die Umsetzung."

Zumindest die heikle Frage des Zölibats ist für Kardinal Schönborn tabu. "Die lebenslange Treue des Priesters zu Gott ist wichtig. Gerade in unserer Zeit ist das ein Zeichen", erläutert sein Sprecher Michael Prüller die offizielle Argumentation. Auch die Forderung nach weiblichen Priestern findet in der Erzdiözese Wien kein Gehör. Prüller: "Zwei Päpste haben dieses Thema hintereinander negativ behandelt." Zur Frage von Eheschließungen Geschiedener wird Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Noch für September ist zwischen Schönborn und Schüller ein (zweites) Treffen angesetzt. Der Pfarrer von Probstdorf und Studentenseelsorger Schüller spricht Klartext: "Ich bin kein Unterhändler oder Verhandler. Die Bischöfe haben klarzustellen, dass sie die Forderungen im Vatikan vertreten."

Kirchenkrieg

Kommt es zu keinem Konsens, droht ein Kirchenkrieg. Zumindest beruhigte die Erzdiözese am Mittwoch die Lage: "Konsequenzen für Schüller stehen noch nicht zur Diskussion."

Bei der Bischofskonferenz im November werden die Reform-Bemühungen behandelt. Dass Pfarrer Schüller eingeladen wird, glaubt Kirchenkenner Hurka nicht: "Denn selbst die Bischöfe haben verschiedene Meinungen. Tirol und Kärnten gelten als reformwillig."

Dompfarrer Faber: "Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Für Toni Faber, Dompfarrer von St. Stephan, hat Schüllers Aufruf zum "Ungehorsam" endlich "Bewegung in die Diskussion gebracht". Faber gilt als moderner und offener Priester und, wenn notwendig, auch als Diplomat: "Natürlich ist es für manche schmerzlich, wenn offen und klar gesprochen wird."

Der bei seiner Bestellung jüngste Dompfarrer Österreichs fordert auch Verantwortung durch die Bischöfe ein: "Sie sind nicht nur Befehlsempfänger. Die Anliegen der heimischen Kirche müssen auch in Rom vertreten werden." Allerdings räumt Faber ein, dass "die Durchsetzungskraft der zehn Bischöfe begrenzt ist". Jedem Bundesland steht ein Diözesanbischof vor. Dazu kommt noch der österreichische Militärbischof.

Nur wenn ein Pakt mit Bischöfen der anderen reformwilligen Länder geschmiedet wird, haben tief greifende Reformvorschläge im konservativen Vatikan eine reelle Chance. Vor allem mit Deutschland, der Schweiz und Frankreich wären Allianzen denkbar. Faber: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

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