Politik 05.12.2011

Kindergärten haben zu lange Ferien

Der Kindergarten soll nur mehr zwei Wochen im Jahr geschlossen sein. Davon ist man in Österreich weit entfernt.

Der Rüffel kam gerade zur richtigen Zeit - zur Ferienzeit. Geht es nach dem Willen von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), dann sollen Kindergärten zukünftig nur mehr zwei Wochen im Jahr geschlossen haben. Die SPÖ-Ministerin ortet eine grobe Unvereinbarkeit zwischen den Schließzeiten der Kindergärten und den Möglichkeiten der Eltern, sich Urlaub zu nehmen. Vielfach "geht sich das nicht aus", klagt Heinisch-Hosek. "Gespräche mit den Ländern sind überfällig."

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Unterschiede gibt es bei den Schließzeiten der Kindergärten: In Wien sind es 4,4 Tage pro Jahr, in Vorarlberg 58,4.
© Bild: APA/HARALD SCHNEIDER

In einigen Bundesländern reagiert man verschnupft auf die Forderung. Immerhin sind die Kindergärten Ländersache. Von Heinisch-Hoseks angepeiltem Ziel sind die Bundesländer - bis auf Wien - weit entfernt. Die Statistik Austria listet die Schließzeiten für das Jahr 2010 wie folgt: In Vorarlberg lassen die Einrichtungen an 58,4 Tagen (!) die Rollbalken runter; in Tirol an 56,6 Tagen; in der Steiermark sind es zwei Monate, wobei hier im Sommer "Saisonkindertagesheime" als Ersatz dienen. Im Durchschnitt sind die Kindergärten österreichweit an 37,8 Tagen im Jahr geschlossen.

Absoluter Vorreiter in Sachen familienfreundlicher Öffnungszeiten ist die Bundeshauptstadt. In Wien sind die städtischen Kindergärten an nur zwei Tagen geschlossen - am 24. und 31. Dezember des Jahres.

Vereinbarkeit

Die durchschnittlichen Schließtage der 2237 privaten und öffentlichen Kindergärten, Krippen & Co. betragen nur 4,4 Tage jährlich. "Wiens Kindergärten sind österreichweit am besten mit einer Vollbeschäftigung der Eltern vereinbar", sagt man im Büro des zuständigen Stadtrats Christian Oxonitsch (SPÖ). Hinzu kommt, dass städtische Krippen, Kindergärten und Horte in Wien ganzjährig von 6.30 bis 17.30 Uhr geöffnet sind. Auch private Anbieter müssen sich - um förderwürdig zu sein - an Mindestöffnungszeiten halten.

"Verärgert" zeigt sich die burgenländische ÖVP-Landesrätin Michaela Resetar. Burgenlands Kindergärten sind fünf Wochen im Jahr geschlossen. "Für jede einzelne Einrichtung besteht jedoch die Möglichkeit, bedarfsorientierte Betreuungslösungen anzubieten", sagt Resetar.

In Niederösterreich schließt der Kindergarten alleine im Sommer für drei Wochen. Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) ist "gerne zu Gesprächen bereit", die "Kinderbetreuung ist aber Ländersache und sollte sich nach dem Bedarf der Länder richten", sagt Schwarz. Für die Politikerin komme es auch darauf an, ob es sinnvoll ist, Kindergärten abseits von Ballungsgebieten so lange geöffnet zu lassen.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011