Politik 15.03.2012

Kaum Hoffnung für Extrembergsteiger Göschl

Seine Frau gibt die Hoffnung auf: Seit einer Woche gibt es keinen Kontakt mehr zu Profi-Bergsteiger Gerfried. Heike Göschl trauert im Internet um ihren Mann.

Es ist an der Zeit, der Realität ins Auge zu sehen“, schreibt Heike Göschl auf der Homepage ihres Mannes. „So schwer es uns auch fällt, sie gehen zu lassen wir haben keine andere Wahl.“ Unter einem Foto, das einen fröhlichen, gebräunten Gerfried zeigt, verabschiedet sich die trauernde Heike: „In Liebe – deine Frau und deine Kinder.“

Am Donnerstag hat die Obersteirerin die Hoffnung aufgegeben, ihren Mann wiederzusehen: Sie glaubt nicht mehr an das Wunder, dass der 39-jährige Extrembergsteiger den Hidden Peak im Karakorum doch noch lebend verlassen kann. Gemeinsam mit dem Schweizer Cedric Hählen und dem Pakistani Nisar Hussain hat er versucht, den 8080 Meter hohen Berg im Himalaja-Gebiet erstmals im Winter zu besteigen.

Die drei Extremalpinisten galten seit exakt einer Woche als vermisst. Die letzte Nachricht über Satellitentelefon kam am 9. März: „Ich glaube, wir schaffen es. Ich melde mich später wieder“, teilte Gerfried Göschl seiner Frau zu Hause in Liezen kurz mit. Da waren sie 450 Meter unterhalb des Gipfels. Zwei polnische Bergsteiger haben das Trio später noch ein Stück weiter oben gesehen. Danach verlor sich die Spur.

Todeszone

Die Helikopterbesatzungen haben den Hidden Peak auf rund 8000 Metern Höhe süd- und nordseitig abgesucht.
© Bild: Göschl

Das Wetter am Berg, der in dieser Höhe als Todeszone umschrieben wird, war in den vergangenen Tagen extrem schlecht. Mehrere Tage lang konnten Helikopter der pakista­nischen Armee nicht aufsteigen. Gestern früh war es erstmals soweit: Beide Seiten des Hidden Peak wurden abgesucht – vergeblich.

Was mit den drei Alpinisten passiert ist, ob sie abstürzten oder erfroren, lässt sich laut Peter Launsky-Tieffenthal vom Außenministerium derzeit nicht feststellen. „Man kann nicht sagen, was passiert ist und wann. Wir wissen nicht, ob sie es zum Gipfel geschafft haben, ob es beim Auf- oder Abstieg Probleme gegeben habt.“

Die Helikopterbesatzungen haben den Hidden Peak auf rund 8000 Metern Höhe süd- und nordseitig abgesucht. An Bord waren auch drei pakistanische Bergsteiger. Sie hätten abgesetzt werden sollen, sobald eine Spur der Vermissten zu entdecken gewesen wäre, um sich zu Fuß zu ihnen durchzuschlagen. „Aber bedauerlicherweise gab es keine Sichtung.“

Karriere

Göschl stammt aus einer Bergsteigerfamilie. Er hinterlässt eine Frau und zwei kleine Töchter.
© Bild: Göschl

Karriere Gerfried Göschl war ein vielfach ausgezeichneter Profi, ebenso wie seine Kollegen Hählen und Hussain. Den Berg, der für ihn jetzt vermutlich zum Todesberg wurde, hat Göschl zuletzt im Juli 2011 bestiegen. Sieben Achttausender hat er in seiner Laufbahn bewältigt, darunter 2005 den Mount Everest als erster Steirer ohne künstlichen Sauerstoff. Zwei Filme wurden über ihn gedreht. Göschl stammte aus einer Bergsteigerfamilie, er hinterlässt seine Frau und zwei kleine Töchter: Hannah ist zweieinhalb, Helena eineinhalb Jahre alt.

„Ich bin kein Draufgänger“, beschrieb sich Göschl in einem Interview auf seiner Homepage einmal selbst. „Es geht mir um die Umsetzung reizvoller Ideen, auch wenn das Scheitern dabei wahrscheinlich ist. Die Umsetzung sollte auch möglich sein ich gehe ja nicht zum Sterben da hin.“

(Da ein Teil der Postings in diesem Forum jegliche Pietät vermissen ließ, musste das Forum geschlossen werden. Wir bedauern. - die Red.)

( Elisabeth Holzer ) Erstellt am 15.03.2012