© Reuters/GUSTAU NACARINO

Politik
12/30/2011

Katalonien: "Adiós" dem Stierkampf

In einer brechend vollen Arena fand in Barcelona der letzte Stierkampf statt. Befürworter wollen die Aufhebung des Verbots erreichen.

Ein letztes Mal durften die Toreros am Sonntagabend mit ihrer traditionsreichen Kunst brillieren, vor den Augen von rund 20.000 Zuschauern. Dann ging - mit dem Gnadenstoß für den letzten Stier - eine Ära zu Ende: Es war der allerletzte Stierkampf, zumindest in Katalonien.

Dort hatten Politiker im Juli 2010 das Verbot der jahrhundertealten Tradition beschlossen, nachdem rund 180.000 Menschen eine Petition gegen die "Corridas" unterschrieben hatten. Das Verbot in der nordostspanischen Region tritt formal erst im Jänner 2012 in Kraft, faktisch geschah dies jedoch bereits mit der letzten Corrida der Saison am Sonntagabend in Barcelona.

Unter Rufen "Freiheit, Freiheit" vollführten die berühmten Matadore Jose Tomas, Juan Mora und Serafín Marín die letzten Stierkämpfe, die in der 1914 eröffneten Arena Monumental von Barcelona stattfanden. Sechs Tiere wurden an diesem Abend getötet. Der junge Katalane Marin gab dem letzten Stier Gnadenstoß.

Die Arena Monumental war sofort nach Freigabe der Eintrittskarten ausverkauft gewesen, einige Karten sollen für bis zu 1500 Euro verkauft worden sein. Unter den Zuschauern waren glühende Anhänger des Stierkampfes, die gegen das Verbot vehement protestierten. "Die Arenen zu schließen - das ist, als würde man einen Picasso in den Müll schmeißen", sagte ein 68-jähriger Mann. Und der Torero Serafín Marín sagte vor dem Kampf: "Man hat mir meine Vergangenheit und einen Teil meiner Zukunft gestohlen. Man hat mir verboten, meinen Beruf auszuüben."

Andere Töne waren freilich vor der Arena zu hören - dort hatten sich Stierkampfgegner versammelt. "Das ist ein kleiner Sieg", sagte ein Gegner. "Aber das tröstet mich nicht. Die Stiere, die hier nicht sterben, sterben an anderen Orten der Iberischen Halbinsel oder in Frankreich."

Die Befürworter der Corridas betonen die kulturelle Tradition der Kämpfe. Sie wollen mit einer Unterschriftensammlung erreichen, dass sich das Parlament in Madrid mit einer Aufhebung des Verbots in Katalonien befasst. Der Stierkampf ist mit rund 40.000 Arbeitsplätzen und Milliardengewinnen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Spanien. Vor allem in Madrid und in Andalusien hat er nach wie vor viele Anhänger.

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