Politik
05.12.2011

Jugendkriminalität: Immer mehr Mädchen werden erwischt

Die Zahl der schweren Delikte jugendlicher Täter nimmt ab, dafür spielen sehr junge Mädchen zunehmend eine Rolle.

Die jüngsten Einbrecherinnen Österreichs heißen Romina und Casandra, sind 14 und 15 Jahre alt. Die beiden Kroatinnen wurden in Italien angelernt. Ein gewisser Marco stattete die Mädchen mit gefälschten Dokumenten sowie Einbruchswerkzeug aus und schickte sie nach Wien. Hier könne man leicht in Wohnungen einbrechen. Kaum angekommen, machten sich Romina und Casandra mit Schraubenzieher und Rollgabelschlüssel an die Arbeit. Vier Wohnungen waren nicht zu knacken oder sie wurden von Hausbewohnern gestört. Beim fünften Versuch erbeuteten die Mädchen gleich reichlich Schmuck, doch da waren sie bereits aufgefallen und wurden festgenommen. Nach zwei Wochen U-Haft stehen die Mädchen - begleitet von ihrem Verteidiger Christian Werner - morgen im Wiener Landesgericht wegen gewerbsmäßigen Diebstahls vor Jugendrichterin Katharina Lewy.

Es ist zu befürchten, dass Romina und Casandra im Gefängnis noch ein paar Tricks dazulernen. Denn auf junge weibliche Gefangene ist man in der Justizanstalt Josefstadt nicht eingestellt. Es gibt für Mädchen weniger therapeutische oder auf Beschäftigung ausgerichtete Angebote als für Burschen. Dabei sind straffällig gewordene Mädchen im Vormarsch. Zu Zeiten des alten (stillgelegten) Jugendgerichtshofes war eine Untersuchungsgefangene schon eine Sensation, mittlerweile sind es zwischen zehn und 20. Bei Alltagsdelikten werden die häufig ausländischen Täterinnen in einem Krisenzentrum betreut statt eingesperrt. Bei Wohnungseinbrüchen geht die Justiz strenger vor, sagt Jugendrichterin Beate Matschnig, weil der Angriff auf die persönliche Integrität von den Opfern als unangenehmer empfunden wird als etwa bei einem Auto- oder Geschäftseinbruch. Deshalb U-Haft für Romina und Casandra.

Dass Mädchen allein einbrechen gehen, kam bisher so gut wie nie vor, sagt Matschnig. Überhaupt beobachtet die Richterin einen anhaltenden Rückgang der schweren Jugendkriminalität, wobei etwa Ladendiebstahl oder Sachbeschädigung nicht dazu gezählt werden. Während 2005 rund 70 jugendliche Straffällige im Sprengel Wien in Haft saßen, ist die Zahl auf 40 gesunken.

Entwurzelt

Was zunimmt, ist die Zahl der Handyraube. "Früher wurde jemandem EIN Handy abgenommen, weil der Täter das neueste Handy haben wollte", sagt Andreas Zembaty vom Bewährungshilfe-Verein "Neustart". Heute sind serienweise Übergriffe üblich. Die Klientel ist dieselbe geblieben: Von daheim entwurzelte Kids unter Drogeneinfluss ohne Lebensperspektiven. Im Jänner 2012 beginnt "Neustart" mit einem vom Justizministerium finanzierten Projekt namens Teamwork. Sozialarbeiter suchen zunächst Bezugspersonen des straffällig gewordenen Jugendlichen. Das sind in erster Linie Eltern, Großeltern, können laut Zembaty aber auch Nachbarn, Freunde, "oder der Wirt am Eck" sein. Jemand, der eine "Beziehungsqualität" aufweist. Sie werden mit anderen involvierten Personen - auch von der Schule, vom (künftigen) Arbeits- bzw. Lehrplatz oder von Behörden wie Polizei, Jugendamt - zusammengebracht, um gemeinsam eine Strategie für den Jugendlichen zu finden: Wiedergutmachung, Ausbildung, Job, Antigewalttraining und andere Schritte.

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