Politik 19.12.2011

Jetzt wird beim Zocken gespart

© Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Jeder Haushalt gibt um knapp 100 Euro weniger für Glücksspiele aus, als noch vor zwei Jahren. Hart trifft es die Casinos.

In schlechten Zeiten neigen Herr und Frau Österreicher zum Glücksspiel. Dieses Klischee hält der Realität nicht stand.

Denn eine aktuelle Umfrage des Institutes RegioPlan zeigt, dass heimische Glücksspiel-Anbieter das sprichwörtliche „Bummerl“ haben. Gab 2009 noch jeder der 3,62 Millionen Haushalte pro Jahr 1025 Euro für Glücksspiele aus, sind es 2011 nur noch 930,6 Euro. In einem Haushalt leben (hochgerechnet) 2,3 Personen.

Unter das geregelte Glücksspiel fallen Lotto/Joker, Toto, Rubbel- und Brieflose, Klassenlotterie, Casino-Tische und gemeldete Automaten sowie Sportwetten.

Verluste bei Casinos

Fremd
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Vor allem der Gang ins Casino kommt aus der Mode. Vor zwei Jahren investierte jeder Haushalt, so RegioPlan noch 65,2 Euro jährlich für Casino-Besuche. Heuer waren es (Berechnungszeitraum Jänner bis Oktober) nur noch 51,8 Euro. Bedeutet ein Minus von 20,5 Prozent.

Alexander Flicker, Sprecher der Bundeswirtschaftskammer Gruppe Casinos Austria und Lotterien bestätigt den Trend: „Dass mehr gespielt wird, wenn es uns schlechter geht, ist ein Klischee. Nach unseren Erhebungen spart der Konsument zuerst bei Restaurantbesuchen und dann schon beim Glücksspiel. Das spüren vor allem die Casinos.“ Auch das generelle Rauchverbot in den Zocker-Tempeln schlägt sich in der Casino-Bilanz nieder.

Tatsächlich machten die zwölf heimischen Casinos vor zwei Jahren noch einen Umsatz von 276 Millionen Euro. Ein Jahr später waren es 258 Millionen. „Heuer dürften wir bei den Casinos an das Ergebnis von 2010 herankommen, vielleicht sogar knapp darüber liegen“, so Günter Engelhard, Sprecher der Casinos Austria und der Lotterien.

Ende der goldenen Zeiten Auch bei den Lotterien sind die goldenen Zeiten vorbei. In den beiden vergangenen Jahren lag der Umsatz bei jeweils 2,6 Milliarden Euro. 2011 dürfte der Umsatz minimal steigen. Trotzdem sind die Spiel-Anbieter besorgt.

„2011 kamen den Lotterien die häufigen Mehrfach-Jackpots sehr entgegen. Da sitzt das Geld der Spieler natürlich lockerer“, weiß Engelhard.

Das früher so beliebte Brieflos zeigte heuer bereits merkbare Verschleißerscheinungen. „Aus diesem Grund versuchen die Lotterien auch kontinuierlich die Angebote zu attraktivieren“, so der Lotterien-Sprecher.

Obwohl die Österreicher von 2009 auf 2011 pro Haushalt um 9,3 Prozent weniger für Glücksspiele ausgaben, lukrierte die Finanz mehr Geld. Waren für Jänner bis Oktober des heurigen Jahres 206,3 Millionen Steuereinnahmen veranschlagt, wurden daraus gar 400,9 Millionen. Der Grund liegt in der seit Jänner vorgeschriebenen Glücksspielabgabe für Spielautomaten.

Helmut Kafka, Vizepräsident des europäischen Dachverbandes Euromat kennt die Gründe: „Konzessionen wurden nicht verlängert, trotzdem blieben viele Automaten aufgestellt. Die Betreiber zahlen aber Steuern, obwohl die Geräte illegal stehen. So entkommt man bei Kontrollen zumindest dem Steuerverfahren.“

Probleme bereiten internationale Online-Glücksspielanbieter. Hier landen Wett- und Spieleinsätze unversteuert im Ausland. Somit sind die Quoten höher, tausende Zocker wanderten daher in diese Internet-Grauzone ab.

Wien: Erfolgreicher Kampf gegen einarmige Banditen

Uli Sima
© Bild: Stephan BoroviczenyKURIERLindengasse 521070 WienTel.: 0043(1)521001260handy: 0043(0)69910972172

Vor drei Monaten sagte die rot-grüne Stadtregierung dem Zocken an einarmigen Banditen den Kampf an. Für das „kleine Glücksspiel“ soll es kein neues Landesgesetz geben. Ab 2015 steht somit ein Ende der vielen kleinen Spielhöllen, etwa auf der äußeren Mariahilfer Straße, bevor. Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) spricht im KURIER-Interview über die neue Glücksspielpolitik und darüber, wie sie den Jugendschutz stärker kontrollieren will.

KURIER: Die Stadt hat das kleine Glücksspiel vor drei Monaten de facto verboten. Was ist seither passiert?

Ulli Sima: Wir haben ja schon seit August 2010, mit Inkrafttreten des Bundesglücksspielgesetzes, keine neuen Automaten mehr zugelassen und bestehende Konzessionen nicht verlängert. 37 Unternehmer haben deshalb auch beim Verwaltungsgerichtshof berufen. Allerdings wurde den Einsprüchen nicht stattgegeben. Das freut uns natürlich.

Was bedeutet diese Glücksspielpolitik aber konkret in Zahlen?

Dass heute 805 Automaten weniger in der Stadt stehen als noch im August des Vorjahres. Damals waren es 5349 Geräte, heute sind es 4544 Automaten. Konkret wird sich das auch deutlich rascher als zuerst angenommen auf das Straßenbild auswirken.

Werden die 4544 Geräte auch kontrolliert?

Ich habe die Beamten der MA 36 beauftragt, in einem Jahr alle 1300 Betriebsstätten zu überprüfen. Mit der Polizei wurde darüber hinaus vereinbart, dass zwei Mal im Monat strenge Jugendschutz-Kontrollen gemacht werden. Im November wurden 65 Lokale überprüft. Der Strafrahmen reicht dabei bis zu 7000 Euro. 2010 kam es zu 53 Verfahren gegen Lokalbetreiber, 41 Automaten wurden zurückgenommen.

Erstellt am 19.12.2011