Politik
20.06.2012

Jagd auf die grauen Riesen

Elefantenjagd: Ihr Bestand gilt als gefährdet, dennoch müssen die Dickhäuter für ihre Stoßzähne, ihr Fleisch oder als Trophäe sterben.

Ob es nun wie medial getitelt die Rache des Elefantengottes war, die den spanischen König Juan Carlos vergangene Woche bei der Großwildjagd im afrikanischen Botswana schwer stürzen ließ, sei dahingestellt. Faktum ist, dass der Monarch, der seit 44 Jahren Ehrenpräsident der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) ist, an einer Elefanten-Jagd teilnahm, obwohl deren Bestand in den letzten Jahrzehnten dramatisch gesunken ist.

Nach den Schätzungen von Tierschutzorganisationen leben derzeit zwischen 400.000 und 600.000 Elefanten auf dem afrikanischen Kontinent. Im Vergleich dazu bevölkerten in den 1980er-Jahren noch 1,2 Millionen Dickhäuter die Savannen und Wälder.

Weißes Gold

Aktuell sind es jährlich 12.000 Elefanten, die zu 90 Prozent für ihre Stoßzähne sterben müssen. Das daraus gewonnene Elfenbein wird ins Ausland exportiert, wo es zu Schnitzereien und Schmuck verarbeitet wird. Der Kilopreis für unbehandeltes Elfenbein betrug 2010 1500 Euro, geschnitzte Ware steigt auf bis zu 6000 Euro an. Der Handel mit dem "weißen Gold" ist ein lukratives Geschäft, hinter dem laut französischen Tierschutz-Fonds oft sogenannte Warlords stecken, die mit dem Erlös Waffen und Munitionen kaufen.

Staat und Behörden schauen bei diesen Geschäften einfach zu, klagt Ilka Herbinger, Afrika-Referentin des WWF: "Sowohl Wilderer als auch ihre Auftraggeber und Abnehmer werden von staatlichen Stellen unterstützt und gedeckt." Zwar wurde der Handel mit Elfenbein 1989 durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES verboten, allerdings variieren die nationalen Gesetzgebungen. 2008 wurde in Südafrika eine Versteigerung von 106 Tonnen Elfenbein genehmigt, das von Elefanten stammte, die auf natürliche Art starben.

Eine umstrittene Auktion, die von afrikanischen Staaten offiziell als Maßnahme gegen den illegalen Handel präsentiert wurde. Als Hauptabnehmer des wertvollen Gutes gingen asiatische Staaten hervor. Expertin Ilka Herbinger weiß warum: "Aufgrund des steigenden Wohlstandes einiger asiatischer Länder und ihrer stärkeren Präsenz – die mit dem Ausbau von Handelswegen nach Asien einhergeht – hat die Nachfrage aus China, Vietnam und Thailand stark zugenommen." Doch nicht nur Elfenbein ist begehrt, seit einigen Jahren findet sich auf den Speisekarten auch Elefantenfleisch als Delikatesse. Dem nicht genug, zählt alleine schon ein abgeschossener Elefant als begehrte Trophäe für europäische Hobby-Jäger.

Exoten-Jagd Anbieter werben im Internet mit Jagdreisen zu den "Big Five" – Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe. Wie das greenpeace magazin berichtet, fahren jährlich 5000 Deutsche zur Exoten-Jagd nach Afrika – ganz im Stil der einstigen Kolonialherren. Für 20.000 Euro kann der Europäer auch im 21. Jahrhundert Großwildjäger spielen und einen Elefanten erlegen. Gut betuchte Kunden blättern für den Abschuss eines Breitmaulnashorns schon 35.000 Euro hin.

Wenn die zukünftigen Trophäen nicht aus Zucht-Reservaten stammen, so handelt es sich um Wildtiere, die das Artenschutzabkommen jährlich für Hobby-Jäger freigibt. Das mag den Ländern zwar Geld bringen, aber ob es ethisch vertretbar ist, das ist wiederum eine andere Frage.

Nashornpulver und Tigerfleisch

Entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnissen gelten in weiten Teilen Chinas und Südostasiens Nashorn-Extrakte als Aphrodisiakum und Heilmittel bei Krebserkrankungen. Ein Kilogramm Nashornpulver kostet laut "Rhino Foundation" bis zu 50.000 Euro und erzielt einen höheren Preise als der Handel mit Gold, Diamanten oder Drogen.

Organisierter Handel

Der WWF spricht von bestens organisierten Wilderern, die mit Hubschraubern, Geländewagen, halbautomatischen Waffen und Nachtsichtgeräten in Südafrika Rhinozerosse jagen. Alleine 2011 wurden 448 Nashörner illegal getötet. Trotz Parkranger und dem Einsatz von Soldaten gelingt es selten, die Wilderer zu fassen, zumal diese oft zusammenarbeiten. Dem König der Tiere, dessen Spezies stark bedroht ist, bleibt ebenfalls nichts erspart. Für Löwenfleisch aus Afrika zahlen wohlhabende Gourmets in Hongkong oder Tokio horrende Summen. "Buschfleisch" von Affen, Antilopen und Tigern findet sich ebenfalls zu exklusiven Preisen auf diversen Speisekarten.

Erst vor wenigen Monaten nahm die thailändische Polizei sieben Männer fest, die unter Verdacht stehen, in einem illegalen Schlachthof Tiger, Krokodile und Elefanten zerlegt zu haben. Vor allem Tiger sind auf dem Schwarzmarkt heiß begehrt. Die Knochen eines einzelnen Tiers bringen bis zu 25.000 Euro ein. Zudem empfehlen Heilpraktiker den Verzehr einer Suppe aus Tigerpenissen (Kostenpunkt 250 Euro) zur Förderung der Manneskraft. Um den Tieren ein solch sinnloses Schicksal zu ersparen, sieht Volker Holmes vom WWF nur eine Möglichkeit: "Wer die Wilderei bekämpfen will, muss zu allererst die Schwarzmärkte in Asien trocken legen."