Politik
26.01.2012

Iran dreht selbst den Ölhahn zu

Teheran kommt dem Öl-Embargo der EU zuvor und will selbst den Export stoppen. Für viele Europäer ein harter Schlag.

Der Herr General platzte fast vor Selbstvertrauen: „Die Sanktionen durch die EU werden den Fortschritt des Iran nur noch antreiben“, verkündete Hossein Salami in den staatlichen Medien: „Die Sanktionen werden sich negativer auf die EU auswirken als auf uns. Der Iran hat seine Kunden und kann die alten rasch durch neue ersetzen.“

Forsche Propaganda-Töne, die der Chef der iranischen Revolutionsgarden da verbreitet, doch Teheran trumpft im Atomstreit nicht nur verbal auf. Wenige Tage nach dem Beschluss der EU, iranisches Öl ab Anfang Juli zu boykottieren, kontert der Iran mit einer ziemlich kühnen Gegenoffensive. Das Parlament in Teheran will noch an diesem Wochenende ein Gesetz verabschieden, das den sofortigen Stopp der Öllieferungen nach Europa vorsieht.

Billiges Öl

Zwar hört Revolutionsführer Khamenei nicht immer auf sein mäßig wichtiges Parlament, doch auch aus seiner Richtung kommen Signale, dass man tatsächlich den Ölhahn in Richtung Europa zudrehen will. Und das hätte für einige ohnehin finanzschwache EU-Länder fatale Konsequenzen. Italien, Spanien und allen voran Griechenland beziehen im Gegensatz zum Rest der EU einen beträchtlichen Anteil ihres Öl-Bedarfs aus dem Iran. Griechenland inzwischen mehr als ein Drittel, da das beinahe bankrotte Land vom Iran günstige Zahlungskonditionen bekommt. Italien dagegen rechnet seine Öl-Lieferungen aus dem Iran mit alten Schulden des Landes gegen und muss daher auch kein Geld auf den Tisch legen.

Internationale Experten, etwa am Londoner „Zentrum für globale Energiestudien“, befürchten daher massive Probleme für Griechenland, aber auch für die anderen zwei EU-Staaten. Diese könnten den Ausfall des iranischen Öls nicht so rasch, vor allem aber nicht so günstig ersetzen.

Zugleich warnte auch der IWF vor den Konsequenzen eines Öl-Boykotts. Die Preise für Rohöl könnten um 20 bis 30 Prozent steigen. Der Iran dagegen kann, den Experten zufolge, den Ausfall der Kunden in Europa relativ rasch und ohne größere Probleme ausgleichen. Vor allem China und Indien, beide mit rapide ansteigendem Hunger nach Energieträgern, würden ihre Öl-Importe aus dem Iran umgehend erhöhen. Vor allem China unterhält mit dem Mullah-Staat ohnehin zunehmend intensive Wirtschaftsbeziehungen.

Nicht zufällig bringt die iranische Presse gerade in diesen Tagen Jubelmeldungen über den steigenden Handel mit China. Und Politiker, wie der Vorsitzende des Energieausschusses, Nasser Sudani, schicken gleich offene Drohungen an die Adresse der EU. Diese habe ein Spielchen angefangen, das ihr jedenfalls nur Nachteile bringen werde.