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Politik
09/23/2012

Iran: Aufbegehren gegen Kopftuch-Pflicht

Die Moralpolizei – eine Erfindung von Präsident Ahmadinejad – hat ihre Augen überall. Wie sich junge Iranerinnen gegen Sittenwächter wehren.

Es sind meist unsanfte Aufforderungen, die Iranerinnen zu hören bekommen, denen das Kopftuch beim Spaziergang für einen Moment in den Nacken rutscht. "Verschleiern Sie sich!", ist da noch die höflichste Formulierung. Und auch die wird regelmäßig, wenn die meist jungen Damen nicht schnell genug reagieren, von Schlägen begleitet. Die Moralpolizei – eine Erfindung der Regierung von Präsident Ahmadinejad – hat ihre Augen überall, unterstützt wird sie dabei von Sicherheitskräften und übereifrigen Geistlichen.

Dass sie diese Kleidervorschriften offen ablehnt, bewies unlängst eine junge Iranerin dem Geistlichen Hojatoleslam Ali Beheshti, und zwar mit ihren Fäusten. Dieser ermahnte die junge Frau mehrmals, sich zu bedecken und das Kopftuch zurechtzurücken. Anstatt zu antworten, stieß sie den Mann zu Boden und trat so heftig auf ihn ein, dass er die darauffolgenden drei Tage im Spital verbringen musste.

Ein überraschendes Ereignis in einem Alltag, wo sich die meisten Frauen nicht einmal mit Worten, geschweige denn mit ihren Fäusten wehren. Wie es um ihre Rechte bestellt ist, weiß die weibliche Bevölkerung Irans nur zu gut: nahezu ohnmächtig gegenüber Religion und Staat.

Sündige Gedanken

Seit 1979 verpflichtet ein Gesetz Frauen, sich der islamischen Kleiderordnung zu unterwerfen und in der Öffentlichkeit das Kopftuch zu tragen. Rechtfertigungen von islamischer Seite gibt es viele. Die Gängigste besagt, dass freizügige Weiblichkeit Männer ablenke und zu sündigen Gedanken anstifte.

Die Unterdrückung der Opposition im Iran bekommt auch die Frauenbewegung zu spüren. Seit Kurzem regen sich aber wieder Bemühungen von Frauenrechtlerinnen. Vor allem im Internet findet Vernetzung mit Gleichgesinnten und Austausch von Erfahrungen statt. Auf facebook etwa posten junge Frauen Fotos von sich selbst – einmal mit und einmal ohne Kopftuch, und sprechen mit anderen Mädchen darüber, wie es wäre, in einem freien Land zu leben – und beim Spazierengehen den Wind im offen getragenen Haar zu spüren.

 

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