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Politik
09/17/2012

Inselstreit: China droht mit einem Handelskrieg

Peking stellt Wirtschaftssanktionen in den Raum. Die USA sind alarmiert und rufen beide Seiten zur Mäßigung auf.

von Walter Friedl

Die Führung in Peking zieht im Streit um eine Handvoll unbewohnter Inseln im Ostchinesischen Meer alle Register. Nachdem sie Patrouillenboote in die umstrittene Zone gesandt hat und massive anti-japanische Proteste, die häufig in Gewalt umschlagen, im ganzen Land zulässt, legte sie am Montag nochmals nach. Man werde die Flotte an Fischerbooten, die Kurs auf die Inseln genommen haben, notfalls beschützen. Und China drohte mit Wirtschaftssanktionen.

Wichtige ökonomische Bereiche, wie Produktion, Finanzen, Exporte ins Reich der Mitte oder Importe "strategisch wichtiger Materialien", könnten Ziel solcher Strafmaßnahmen sein. Ein Handelskrieg würde zwar beide Länder treffen, weiß man auch in Peking genau, aber für Japan wären die Folgen "katastrophaler".

Bereits jetzt leiden japanische Unternehmen, die in China tätig sind, unter dem Konflikt. Elektronik-Hersteller Panasonic ließ nach Ausschreitungen vor einigen Standorten am Montag die Produktion ruhen, heute bleiben die Werke ebenfalls geschlossen. Auch Canon – der Konzern ist in China Marktführer bei Digitalkameras sowie Tintenstrahldruckern und macht dort mehr Umsatz als im Heimatland – hat vorübergehend alle Aktivitäten eingestellt. Der Auto-Hersteller Toyota leidet unter Absatzproblemen im Reich der Mitte.

Stein des Anstoßes für den Schlagabtausch der beiden Platzhirsche in der Region: Fünf unbewohnte Inseln, die auf Japanisch Senkaku, auf Chinesisch Diaoyu heißen und von beiden Staaten (darüber hinaus auch von Taiwan) beansprucht werden – vor allem wegen der vermuteten Öl- und Gasvorkommen. Japan, das die Gruppe seit 40 Jahren kontrolliert, hat in der Vorwoche drei Inseln gekauft, was Peking als Provokation erachtet.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta zeigte sich bei einem Besuch in Japan "besorgt" über die Konfrontation der beiden größten Volkswirtschaften Asiens und rief zur Mäßigung auf. Zugleich verständigten sich Washington und Tokio auf die Errichtung eines zweiten Raketenabwehrsystems in Japan. US-Beamte beeilten sich aber hinzuzufügen, dass dies nicht gegen China gerichtet sei, sondern der Abwehr Raketen aus Nordkorea diene.

Sicherheitspakt

Dennoch könnten die USA schnell in den Streit hineingezogen werden. Wie der japanische Außenminister betonte, stünde Washington zu einem bilateralen Sicherheitspakt (siehe unten), der seit der Übergabe der Inseln im Jahr 1972 gilt.

Die Vereinigten Staaten und Japan schlossen 1952 einen Sicherheitsvertrag, der 1960 erneuert wurde. Demnach arbeiten die Militärs beider Länder im Falle eines Angriffs auf Japan zusammen. Eine Reihe von Militärbasen ermöglicht den USA eine dauerhafte Präsenz in der Region, wobei sich Japan an deren Unterhalt beteiligt. Auch bei Entwicklung und Kauf von Waffensystemen arbeiten beide Länder zusammen. Außerdem werden Aufklärungs- und Geheimdienstinformationen ausgetauscht.

Geschichte: China / Japan trennt uralte Feindschaft

Krieg um Korea Am Streit um die Halbinsel Korea entzündet sich 1894 der Erste Chinesisch-Japanische Krieg . Die damals bereits modern ausgerüstete japanische Armee vernichtet die Chinesen. Korea kommt unter japanischen Einfluss.

Mandschurei-Krise Japan versucht in den kommenden Jahrzehnten, seine Machtsphäre auf die an Korea grenzende chinesische Provinz Mandschurei auszudehnen. Man errichtet dort einen Marionettenstaat und löst so 1937 den Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg aus. Dieser führt zur Okkupation großer Teile Chinas durch die japanische Armee. Die zutiefst von einer rassistischen Ideologie geprägte japanische Armee verübt grauenhafte Massenmorde an der chinesischen Bevölkerung, wie etwa das Massaker von Nanking.

Anhaltende Spannungen Auch nach der Kapitulation des kaiserlichen Japan 1945 und der Machtübernahme Maos in China setzen sich die politischen Spannungen zwischen den beiden Rivalen in Ostasien fort. Erst in den Siebzigerjahren kommt es zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und schließlich zu einem Friedensvertrag. Die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen vertiefen sich.

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