Vor rund 18 Jahren entdeckte Wolfgang Sobotka seinen grünen Daumen.

© KURIER/Gerhard Deutsch

KURIER-Serie "Politiker nach Dienstschluss"
08/08/2016

Wolfgang Sobotka: "Ich gartle auch in der Nacht"

Serie "Politiker nach Dienstschluss": Aus Zeitmangel geht der Innenminister auch zu ungewöhnlichen Uhrzeiten seinem Hobby nach.

von Ida Metzger,

Sein Job zwingt ihn zu ungewöhnlichen Gartel-Zeiten. Terroranschläge, Amokläufe, Polizistenmorde, Flüchtlingsströme nehmen keine Rücksicht auf das Hobby des Innenministers.

Also macht Wolfgang Sobotka (60) aus der (Zeit-)Not eine Tugend und greift in der Nacht zu Zange, Spaten, Blumenkralle. "Wenn ich um 23 Uhr nach Hause komme, dann arbeite ich oft bis zwei Uhr nachts im Garten. Manchmal ist es so, dass meine Frau schlafen geht – und wenn sie in der Früh aufwacht, entdeckt sie im Garten einiges Neues", beschreibt Sobotka seine nächtlichen Garten-Sessions. Damit der Minister seinen grünen Daumen ausleben kann, ist Sobotkas Grünoase bestens beleuchtet.

Doch selbst die Nachtschichten helfen nichts. Der neue Ministerjob hat in Sobotkas grünem Paradies bereits seine Spuren hinterlassen. "Derzeit schaffe ich es nur ein Mal pro Woche, im Garten die Arbeiten zu erledigen. Dieses Jahr schaut der Garten leider nicht so aus, wie ich es die vergangenen Jahre gewohnt war. Er ist etwas verwittert", klagt er.

Spätberufener

Der Moment, wo der Innenminister sein Sakko auszieht und sprichwörtlich an den Nagel hängt, ist der Moment, wo Sobotka so etwas wie Entschleunigung vom Alltag erlebt. "Ab diesem Zeitpunkt ist mein Kopf frei – und es kehrt Ruhe ein." Seinen grünen Daumen hat Sobotka erst spät entdeckt. Ein Besuch im englischen Stourhead Park weckte das Interesse an der Landschaftsarchitektur. Dieses Juwel der englischen Gartenkunst wurde Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt; der Park gilt als einer der schönsten und magischsten Landschaftsgärten. "Als Historiker habe ich mich bis zu diesem Zeitpunkt nur mit den Relikten des menschlichen Schaffens beschäftigt. Natur und Gärten habe ich bis dahin gar nicht so sehr geschätzt." In Stourhead entdeckte Sobotka, wie visionär die damaligen Landschaftsgestalter waren. "Wenn ein Architekt ein Gebäude plant, dann sieht er relativ schnell, wie seine Ideen in der Realität wirken. Aber wenn man einen Garten wie Stourhead anlegt, dann wird das Ergebnis der Planung erst nach rund 80 Jahren und mehr sichtbar. Da benötigt man eine hohe Vorstellungskraft. Das hat mich fasziniert."

Als Sobotka niederösterreichischer Umweltlandesrat wurde, wollte er es genau wissen – und startete seine Hobbykarriere als Naturgärtner. "Wenn du für Nachhaltigkeit und Öko stehen willst, musst du es auch selbst leben."

Rosen-Stolz

Die Faszination für den Kreislauf der Natur hat den ÖVP-Politiker seit damals nicht mehr losgelassen. "Dieses ewige Rad zu erleben, ist spannend. Hier spürt man sofort, welche Folgen das Eingreifen des Menschen hat."

Heute ist Sobotka auf seinen wildromantischen Garten direkt an der Ybbs stolz. "Es ist ein Ort des Erlebens von Gartenräumen geworden." Rund 1200 Quadratmeter ist Sobotkas buntes Paradies groß. "Davon sind aber 800 Quadratmeter eine reine Bockleite. Und es ist ein Schattengarten." Auf Perfektion legt er in seinem Garten keinen Wert. Er gibt der Natur ihren Freiraum – und lässt es schon mal zu, dass ungewollte "Pflanzengäste" wie die Akelei ihre Saat verstreuen.

Rosen sind Sobotkas ganzer Stolz. Sie spielen in seinem Garten eine dominante Rolle . "Es ist die vielfältigste Pflanze in der Frage des Dufts und in der Frage des Wiederblühens."

Gartenschau

Aus seiner spät entdeckten Liebe zum Garten entwickelte sich auch sein politisches Vermächtnis. Als ehemaliger Umweltlandesrat hat er die weltweit einzige ökologisch geprägte Landesgartenschau ins Leben gerufen – die Garten Tulln. Die Anlage mit 65 Schaugärten erinnert an eine barocken Grünoase. Eingebettet in die Aulandschaft an der Donau ist das Gelände in einen bezaubernd natürlichen Rahmen aus Blütenmeeren, Gräserinseln, Teichen und Spazierwegen gewebt.

2008 wurde die Garten Tulln eröffnet; sie hatte seither 1,6 Millionen Besucher. Wenn Sobotka auf den weitläufigen Wegen spaziert, dann geht er auf und vergisst die Zeit. Führungen, die für eine Stunde angesetzt waren, können dann auch bis zu drei Stunden dauern.

Kein Torf Torfmoore gehören zu den am meisten bedrohten Lebensräumen. „Ein Moor wächst nur einen Zentimeter pro Jahr.“ Deshalb verzichtet der Gärtner mit Weitblick auf Torf im Garten.

Guter Boden – Maß aller Dinge Bevor man den Garten anlegt, sollte man die Beschaffenheit des Bodens kennen. „Viele wundern sich, warum gewisse Pflanzen im Garten nicht gedeihen. Nur wenn man die Bodenbeschaffung kennt, weiß man auch, welche Pflanzen man setzen kann.“ Wichtig ist es, den pH-Wert des Bodens mit Teststreifen zu bestimmen.

Düngen Durch die Zugabe von Kompost und organischem Dünger verbessert sich der Gartenboden.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.