Politik | Inland
16.11.2017

Wiener SPÖ: Gewerkschaft will Kandidaten "abklopfen"

Im Duell zwischen Michael Ludwig und Andreas Schieder wollte Christian Meidlinger noch keine Präferenz abgeben.

Beim Rennen zwischen Michael Ludwig und Andreas Schieder um den Chefposten in der Wiener SPÖ hat die Gewerkschaft ein gewichtiges Wort mitzureden. Immerhin stellt sie 120 von knapp 1.000 Delegierten am Parteitag. Eine Präferenz wollte Christian Meidlinger, Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft younion, noch nicht nennen. Man werde beide Kandidaten "abklopfen", sagte er am Donnerstag.

Es handle sich bei beiden Anwärtern auf die Nachfolge von Michael Häupl um "ausgezeichnete Kandidaten", lobte Meidlinger. Man werde jetzt einmal abwarten, ob es überhaupt bei diesen zwei Aspiranten bleibt. Sollte das so sein, will die Gewerkschaft sowohl mit Schieder als auch mit Ludwig "in ausgewählten Runden" Gespräche führen - vorrangig freilich über den Bereich Arbeitnehmer. Aber auch zu Themen wie günstiger Wohnraum oder Verkehr - Stichwort Lobautunnel - sollen beide Kandidaten Rede und Antwort stehen. "Danach werden wir unsere Präferenz bekanntgeben", sagte Meidlinger.

Konzept für Präsentation

Die Landespartei selbst will Präsentationsformate entwickeln, im Rahmen derer sich Ludwig und Schieder präsentieren und die Mitglieder ihre persönliche Meinung bilden können, kündigte Landesparteisekretärin Sybille Straubinger am Donnerstag im Ö1-Mittagsjournal an. Am genauen Konzept wird noch getüftelt. Straubinger räumte ein, dass von einigen Genossen Bedenken geäußert worden seien, "dass es zu Streitereien kommen könnte im Verlauf dieses internen Wahlkampfs". Andererseits werde von Parteifreunden auch begrüßt, dass es nun eine Auswahl gebe. "Ich finde auch, das ist ein innerparteilicher Demokratisierungsprozess", der auch eine Modernisierung für die Wiener SPÖ bringen könne.

Eine Präferenz für einen der beiden Kandidaten ließ Straubinger auch heute nicht durchblicken. Und Bürgermeister Häupl, um dessen Nachfolge es immerhin geht, hat sich zum Duell bisher ebenfalls nicht geäußert. Eine enge Vertraute des Noch-Stadtchefs, Finanzstadträtin Renate Brauner, signalisierte gegenüber mehreren Medien indes ihre Unterstützung für Schieder.

Gefragt zum Zweikampf wurde am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz auch der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel. Er wollte das Rennen um die Führung in der Wiener SPÖ nicht kommentieren: "Um ehrlich zu sein, möchte ich mich da nicht einmischen. Das soll die SPÖ intern klären." Allerdings sei es unangenehm, wenn es bei den Regierungsparteien ein zu langes Machtvakuum gebe, sagte er. Er würde sich darum nur eines wünschen, "nämlich, dass die Regierungsparteien ihre internen Personalentscheidungen möglichst rasch hinter sich bringen".