Spitzenkandidat Manfred Juraczka schloss einen Rücktritt vorerst aus.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Wien-Wahl
10/11/2015

Wiener ÖVP schrumpft zur Mini-Partei: Juraczka geht

Katzenjammer nach Wahldebakel: Parteichef Manfred Juraczka kündigte noch am Wahlabend Rückzug bei Parteitag im Februar an.

von Bernhard Gaul

Niemand traute sich in der Wahlzentrale der Wiener Volkspartei zu klatschen, als um 17 Uhr die ersten Trends auf den Bildschirmen aufschienen. Es war sehr still. „Na Bumm“, kommentierte ein Gast. Dafür brandete Jubel bei den Nachbarn auf: Vor den Toren der Parteizentrale am Rathausplatz feierten die Blauen in einem 60 Meter langen Zelt, wenn auch etwas verhaltener, als befürchtet. Die ÖVP verzichtet schon lange auf groß angelegte Wahlpartys.

Die Wiener ÖVP hat es geschafft, binnen dreier Jahrzehnte von der zweitstärksten Partei (1984 unter Parteichef und Vizebürgermeister Busek mit 34,8 Prozent) auf Platz vier mit nur mehr 9,5 Prozent durchgereicht zu werden.

Spitzenkandidat Manfred Juraczka traf gegen 20 Uhr in der Landespartei ein. Er kündigte an, dass beim Landesparteitag der Wiener Volkspartei im Februar, „also in wenigen Wochen, personelle Weichen gestellt werden müssen“. Er wird also zurücktreten, aber nicht sofort: Denn das, betonte er, dürfe nicht wie einst beim Abgang von ÖVP-Chef Spindelegger ein Weglaufen sein, sondern müsse „geordnet ablaufen“. Nach einem kurzen Dank an die Funktionäre verließ er den Raum gleich wieder.

„Das Ergebnis ist nicht unerwartet, deswegen aber nicht weniger enttäuschend“, kommentiert ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel das schwache Abschneiden „Das ist natürlich ein ernüchterndes Ergebnis“, gab auch Landesgeschäftsführer Alfred Hoch unumwunden zu. Er tat sich schwer, die Niederlage zu begründen – zu viel Fokus auf das Duell Häupl/Strache, sagt er, und das Flüchtlingsthema. Fast wortgleich Klubobmann Fritz Aichinger: „Wir konnten unsere Themen nicht durchbringen.“

Nach Auszählungsstand von Sonntagabend hätte auch eine rot-schwarze Regierung im Landtag eine Mehrheit – wenn auch nur mit einer Stimme. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen hohe Funktionäre, dass die ÖVP sehr gerne mitregieren würde – das hänge nur leider nicht von der ÖVP ab.

Also bleibt der bürgerlichen Partei nur der Katzenjammer darüber, dass ihr in einer so bürgerlichen Stadt wie Wien so wenige Stimmen geblieben sind. Spitzenkandidat Manfred Juraczka gab noch am Nachmittag zu, dass der Wahlkampf nicht optimal verlaufen ist – man habe mit den eigenen Themen nicht reüssiert. Trifft auch die Bundes-ÖVP eine Mitschuld? Abgeordnete Gabi Tamandl ist vorsichtig: „Der Mikl-Kurz-Kurs in der Asyldebatte war, denke ich, richtig. Er kam vielleicht nur zu spät.“

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