Wien braucht mehr als ein Männer-Duell
Häupl gegen Strache – das kann doch nicht alles sein. Im Wahlkampf sollen wichtige Themen geklärt werden.
Der Wahlzettel für die Wiener Landtagswahl wird lang und bunt ausfallen. Nach einer Migrantenpartei wird auch eine Gruppierung für direkte Demokratie antreten, unterstützt vom Team Stronach, das also doch noch für etwas gut ist. Aber das ändert auch nichts daran, dass den Wahlkampf zwei Parteien dominieren werden, die möglichst nichts ändern wollen: SPÖ und FPÖ. Die Grünen hoffen auf Machterhalt, als bürgerliche Alternative empfehlen sich die NEOS, die ÖVP fällt in den Umfragen gerade unter 10 Prozent.
Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass die bürgerliche CDU auch in Großstädten wie Berlin oder Hamburg immer wieder die SPD schlagen konnte. Ein Wechsel in der Regierung hat diesen Städten nicht geschadet.
In Wien war die ÖVP einmal recht stark und bekam rund ein Drittel der Stimmen. Erhard Busek schaffte mit seinen bunten Vögeln noch mehr und beeinflusste die Stadtpolitik. Aber im Moment spielt die ÖVP keine Rolle mehr, obwohl in Wien fast ein Viertel der Österreicher wohnen. Klubobmann Lopatka kann müde Stronachianer in seine Truppe holen, aber damit wird er nicht einen einzigen Wähler bewegen. Und jene Stadtschwarzen, die auf eine Koalition mit der SPÖ gehofft hatten, können diese "Strategie" schon wieder begraben: Auch das Wiener Wahlrecht macht aus geschätzten 35 Prozent für die SPÖ plus 10 für die ÖVP keine Mehrheit.
Was tun? Die ÖVP hat in Wien nur dann eine Chance,wenn sie einen attraktiven Kandidaten präsentiert. Sebastian Kurz könnte beweisen, dass ihm seine Stadt und seine Partei wichtiger sind als – kurzfristig – seine Karriere. So könnte der Wahlkampf auch noch mehr werden,als das Ego-Duell zweier Männer.