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11.10.2015

SPÖ punktete mit Anti-Strache-Effekt

Zuspitzung auf ein rot-blaues Duell hat den Sozialdemokraten geholfen. Stenzel mobilisierte Blaue.

Die Stimmen sind ausgezählt, die Mandate im Wiener Gemeinderat verteilt. Für Sieger wie Verlierer beginnt nun die Ursachenforschung: Wieso haben die Wiener so gewählt, wie sie gewählt haben? Was hat sie bewegt?

Eine These aus dem Wahlkampf dürfte sich in der Wahlzelle manifestiert haben: Die Wiener Sozialdemokraten haben mit ihrem Spin gepunktet, es gelte FPÖ-Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache als Bürgermeister oder zumindest Stimmenstärksten zu verhindern.

In der Wahltagsbefragung, die Meinungsforscher Peter Hajek (Public Opinion Strategies) im Auftrag von ATV durchgeführt hat, ist " Strache verhindern / Zeichen gegen Strache" das zweistärkste Wahlmotiv der Rot-Wähler (siehe Grafik unten).

Grüne gehen zu Rot

"In der SPÖ-Wählerschaft kamen die Botschaften gut an", sagt Hajek. Die Roten dürften damit aber auch über ihre Stamm-Klientel hinaus gepunktet haben: "Gegen Strache" war bei jenen, die für die Grünen gestimmt haben, kaum Thema, "da jene Grün-Wähler möglicherweise zur SPÖ gegangen sind", wie Hajek analysiert. Die "Leihstimmen" von Grünen, Schwarzen und Pinken brachten den Roten den Wahlsieg.

Bei den Blauen hat neben Parteichef Strache auch Ex-ÖVP-Lady Ursula Stenzel Zugkraft bewiesen: "Für fast jeden zehnten FPÖ-Wähler hat Ursula Stenzel eine wichtige Rolle gespielt", sagt Hajek. Stenzel hat den Freiheitlichen ein bis zwei Prozentpunkte gebracht.

Bevor noch die Koalitionsverhandlungen starten, kann man von einem fix ausgehen: Dass die SPÖ auch der nächsten Stadtregierung angehören wird.

Die Wähler haben dabei eine klare Vorstellung, mit wem die Roten – sofern mathematisch möglich – zusammenarbeiten sollen: 29 Prozent der Wähler sind für eine Fortsetzung von Rot-Grün; unter jenen, die für die SPÖ gestimmt haben, sind es gar 53 Prozent. Rot-Schwarz wird von 18 Prozent der Wähler gewünscht (SPÖ-Sympathisanten: 25 Prozent), Rot-Blau präferieren lediglich 16 Prozent (SPÖ-Wähler: 7).

Und was ist mit denen, die nicht gewählt haben? Ein Viertel gibt an, keine Zeit für die Wahl gehabt zu haben. 61 Prozent der Nicht-Wähler sagen, sie sind von der Politik verdrossen, nicht an ihr interessiert oder wussten schlicht nicht, wen sie wählen sollten.