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18.10.2015

FPÖ-Bezirksvorsteher: "Lass mir von der Partei nix sagen"

Bezirk Simmering: Paul Stadler tanzt bei den Blauen etwas aus der Reihe.

Pauliii", ruft eine Frau, und ihre Stimme wird immer höher, "du hast’s g’schafft!" Konfrontiert mit derlei Zurufen mitten auf der Straße wirkt Paul Stadler fast schüchtern, aber er freut sich, winkt und lächelt; manchmal plaudert er ein bisschen. Der neue FPÖ-Bezirksvorsteher von Simmering ist seit seinem Triumph über die SPÖ am Wahlsonntag ein gefragter Mann, sein Handy geht mit Anrufen und SMS über.

"Ich krieg viele Gratulationen, aber auch Ratschläge, was man in Simmering angehen müsste. Ich schau mir das amal an", sagt der 58-Jährige und spaziert gemächlich auf der Simmeringer Hauptstraße weiter, die Arme hinter dem Rücken verschränkt.

Palmen in Simmering

In einem Lokal am Enkplatz erzählt er dem KURIER bei einem Obi g’spritzt ("Heute ka Bier für mich, danke") von seinen Plänen für den Bezirk. Auf der Simmeringer Hauptstraße wünscht er sich zur Verschönerung Blumentröge oder Palmen – Stadler ist ein Fan der Karibik. Aus dem Schloss Neugebäude könne man ein "super Veranstaltungszentrum" machen.

Die U3 müsse nach Kaiserebersdorf verlängert werden, doch wie man bei diesem lange geforderten Projekt einen Schritt weiterkommt, wisse er noch nicht. "Als Erstes muss man amal eine Budgetkontrolle machen. Ich weiß ja net, wie es da ausschaut, die Sozialdemokraten haben mich ja nie reinschauen lassen."

19 Jahre lang war Stadler stellvertretender Bezirksvorsteher in dem seit jeher rot regierten Arbeiterbezirk. Bei der Wien-Wahl hat er Eva-Maria Hatzl, die das Amt erst im November 2014 übernommen hatte, gestürzt. Die Bezirks-FP kam auf 41,76, die SP auf 40,83 Prozent.

Spritzer mit Häupl

Simmering – die rote Bastion, der Arbeiterbezirk – ist in blaue Hände gefallen. "Ich höre von den FPÖ-Wählern oft, dass sie eine Veränderung wollen. Nach 70 Jahren mit der SPÖ ist jetzt amal ein anderer dran", erklärt sich Stadler seinen Wahlerfolg.

Fürchten müsse man sich nicht vor ihm, sagt er lachend. Er hole alle ins Boot, die gute Ideen für Simmering haben. Auch Bürgermeister Michael Häupl sei hier willkommen – als Besucher, versteht sich. "Ich gehe gern amal auf einen Spritzer mit ihm." Stadler hätte selbst ohne Weiteres ein Roter werden können, denn die FPÖ war für ihn mehr ein Sprungbrett als eine ideologische Wahl, erzählt er über seine Anfänge in der Politik.

Als er in den 1980er-Jahren den elterlichen Flüssiggas-Handel übernahm, habe er erfolglos versucht, über die ÖVP bzw. die SPÖ in die Wirtschaftskammer zu kommen. Über Kontakte bei der FPÖ klappte es. 1991 kam er in den Bezirksrat, 1996 wurde er stellvertretender Bezirksvorsteher. Jetzt ist er der erste blaue Bezirks-Chef in der Geschichte Wiens. Was "der HC" dazu gesagt hat? "Super!"

Ein getreuer Strache-Jünger dürfte er aber nicht sein. Von der Partei, betont er, habe er sich noch nie viel sagen lassen. Sein Credo: "Lassts mich in Simmering in Ruh’." So seien zum Beispiel Demonstrationen vor Asylunterkünften wie in Erdberg "nicht seins", ebenso wenig wie Slogans à la: "Daham statt Islam". "Wienweit brauchen sie es vielleicht aggressiver, damit man über sie redet", meint er.

Das Thema Flüchtlinge habe er im Wahlkampf bewusst ausgelassen, obwohl es auch in Simmering Unterkünfte gibt. "Ich mach mir persönlich schon meine Gedanken, wie das alles ausgeht. Aber was soll ich kleiner Bezirkspolitiker da ausrichten?" Sicher, lässt er seine blaue Färbung durchschimmern, seien "die Ausländer" im Gemeindebau oft ein Problem. Und die Ballung der türkischen Geschäfte auf der Simmeringer Hauptstraße sorge für "Unbehagen". Hier im Café tönt nach Tina Turner und DJ Ötzi übrigens ein türkischer Schlagersong aus den Lautsprechern.

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