Politik | Inland
21.02.2018

Wie es die Bruna Sudetia mit ihrer Geschichte hält

Die in die Kritik geratene Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia spart in ihrer Eigendarstellung die NS-Zeit komplett aus.

"Es gibt nur eine Sünde, die gegen die ganze Menschheit mit all ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte."

Mit diesem Hebbel-Zitat begrüßt die Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia Besucher ihrer Webseite. Das ist jene schlagende Verbindung, die durch einen aktuellen Falter-Bericht mit einem antisemitischen Liederbuch in Verbindung gebracht worden ist. In ihrer Eigendarstellung verfremdet die Burschenschaft ihre eigene Geschichte insofern, als die Zeit zwischen 1918 und 1945 schlicht ausgespart ist.

Zu lesen ist auf der Webseite, dass die Bruna Sudetia 1882 aus der Fusion der Verbindungen Bruna (gegründet 1871) und Sudetia (gegründet 1873) hervorgegangen ist. Damals nahm sie auch das heutige Wappen und die Farben Violett-Rot-Gold an. Sowie die dunkelroten Mützen. Zwischen 1914 und 1918 sei allerdings ein Vereinsleben unmöglich gewesen, weil etwa hundert Mitglieder im Ersten Weltkrieg zum Kriegsdienst eingezogen worden seien.

Reaktivierung nach dem Zweiten Weltkrieg

Hier endet die Chronik vorerst, die Eigendarstellung setzt erst wieder mit dem Jahr 1951 ein, als eine Reaktivierung der Burschenschaft durch die Akademische Vereinigung Greifenstein, kurz darauf Akademische Verbindung Hohenheim, erfolgt sei.
Selbst die oft in Burschenschafterkreisen benützte Darstellung, die völkischen Verbindungen seien vom NS-Regime zerschlagen worden, findet hier keine Erwähnung.

Laut Informationen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) habe die Bruna Sudetia bereits 1933 die bundinterne Demokratie durch ein "Führerprinzip" ersetzt. 2013 sei dies auf der Webseite noch als "Anpassung an die reichsdeutschen Verhältnisse" und als Versuch, "das Ansehen des Bundes zu erhalten", gerechtfertigt worden.

Umbenennung in der NS-Zeit

Die Bruna Sudetia bestand demnach als Kameradschaft Otto Planetta (benannt nach dem illegalen Nazi und Mittäter beim Mord an Engelbert Dollfuß) im NS-Studentenbund weiter.

Ebenso wenig wie diese Information findet auf der Verbindungs-Homepage der "Brune" Erich Führer Erwähnung, jener spätere SS-Hauptsturmführer, der ab 1933 dem Verband Burschenschaft der Ostmark vorstand.

Geschichtsbild

"Ein Volk ohne Geschichte ist ein Volk ohne Zukunft!" zitiert die Burschenschaft im Internet erneut Friedrich Hebbel.

Ob das Geschichtsbild der "Brunen" aus einem Posting hervorgeht, mit dem sie auf ihrem Facebook-Profil die Fußball-WM 2014 kommentierte? In Anspielung auf den Zweiten Weltkrieg schrieb man laut dem DÖW am 3. Juli 2014: "Die USA, Russland und England sind ausgeschieden, Polen war wieder einmal nicht mehr zu sehen und nun ist der Franzmann 'Last man standing'. Einmal etwas Neues, aber die deutsche Mannschaft ist #bereitwienie".