Politik | Inland
28.08.2017

Was wurde aus ... Gerald Klug?

Der Ex-SPÖ-Verteidigungs- und Infrastrukturminister hat mit der aktiven Politik abgeschlossen.

KURIER: Die Serie heißt ‚Was wurde aus....?‘ Also was wurde aus Gerald Klug?

Gerald Klug: Ich bin zurückgekehrt, woher ich gekommen bin. Ins Parlament. Vor der Regierungstätigkeit war ich ja im Bundesrat, jetzt im Nationalrat.

Aber wie machen Sie nach den Nationalratswahlen weiter? Sicheren Listenplatz haben Sie ja keinen mehr.

Da ist einiges in Bewegung. Nach dem 15. Oktober scheide ich aus der Politik aus. Die Zeit des aktiven politischen Amtes ist vorbei.

Noch sind Sie im Nationalrat. Was kommt dann?

Ich hab’ zwei Berufe, Dreher und Jurist. Ich sehe Regierungstätigkeit als politisches Management, man lernt das Management-Handwerk. Da tun sich Möglichkeiten auf. Ich habe noch 20 Berufsjahre vor mir, da denkt man nach, was würde man gerne machen? Die dreieinhalb Jahre in der Bundesregierung waren sehr herausfordernd, drei davon für Landesverteidigung und Sport, unter sehr, sehr schwierigen Bedingungen.

Sie sind als Sparmeister beim Heer nicht gut angekommen.

Die eine Milliarde Euro mehr, die mein Amtsnachfolger ( Hans Peter Doskozil, Anm.) bekommen hat, hätte mir die Arbeit auch erleichtert. Doch die Bereitschaft, gemeinsam zu erkennen, dass das österreichische Bundesheer mehr Geld braucht, war damals einfach nicht da. Das hat dann auch die Truppe gespürt. Wir hatten ein Zwei-Milliarden-Budget damals. 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro waren fürs Personal, 550 Millionen für den laufenden Betrieb. Der Rest blieb für Investitionen. Ich habe drei CEOs der Industrie gefragt, wie sie mit so etwas arbeiten könnten? Die haben gesagt, das geht gar nicht.

Am lautesten war der Protest, als Sie die Verkleinerung der Militärmusik verkündet haben. Minister Doskozil hat das zurückgenommen und einen Marsch bekommen. Hätten Sie auch gern einen gehabt?

Beim Arbeiten hat mir die Zeit gefehlt, dass ich mich mit dieser Romantik auseinandersetze. Wenn’s den Bedarf gibt, dass Nachwuchs für die Blasmusik ausgebildet wird, dann sollte man das aus eigenen Mitteln decken. Zum Vergleich: Österreich hat 435 Musiker beim Heer. Die deutsche Armee, die zehnmal größer ist, 700. Wenn ich mich vor die Situation gestellt sehe, Nachwuchs für Blasmusik oder Sicherheit der Österreicher dann war meine Entscheidung als Verteidigungsminister klar.

Sie können aber von sich sagen, mit einem einzigen Wort Furore gemacht zu haben situationselastisch. Das Wort des Jahres 2014.

Wie oft ich in Graz jetzt noch schmunzelnd darauf angesprochen werde. Dabei ist das ein Begriff, der in der Landesverteidigung gängig ist. Ich bin damals beim Pressefoyer nach dem Ministerrat gefragt worden, wann kommt der Kanzler Faymann wieder? Und ich sag, das wird situationselastisch entschieden. Dann Gelächter im ganzen Pressefoyer. Ich denk’ mir komisch, was ist das jetzt? Das war dann ein Selbstläufer. Aber ich seh’ das entspannt und positiv. Das war der Beitrag der sicherheitspolitischen Sprache zum allgemeinen Sprachgebrauch.

Nach den Landtagswahlen in der Steiermark 2015 waren Sie einer der wenigen im SPÖ-Vorstand, die gegen den schwarz-roten Pakt gestimmt haben.

Das Ergebnis der Verhandlungen konnte ich inhaltlich nicht nachvollziehen. Die SPÖ ist stimmenstärkste Partei. Die Wahrheit ist, man hat den Landeshauptmann hergeschenkt, ohne Not. Man hat gespürt, SPÖ und ÖVP wollen noch einmal miteinander. Und dann hat man ein Verhandlungsergebnis, wo die SPÖ für die ganze Periode auf den Landeshauptmann verzichtet? Meinen Segen hat dieses Ergebnis nicht. Auch heute nicht. Das wird die Situation bei den nächsten Landtagswahlen 2020 nicht erleichtern.

Sie haben eine Tochter, die demnächst drei Jahre alt wird. Was lernen Sie von einem kleinen Kind?

Rasch Antworten liefern zu müssen.

Aber das mussten Sie in der Politik doch auch.

Aber so oft ‚wieso‘ bin ich in der Politik nie gefragt worden. Von Louisa höre ich so oft: ‚Papa, wieso?‘ Jede Frage ist ‚wieso?‘ Und da musst’ dann rasch eine verständliche Antwort liefern, weil sie das einfach verlangt. Mehr Zeit für die Familie zu haben, ist ein Segen. Und man sieht die Welt anders. Louisa bleibt stehen, weil sie eine Ameise oder einen Käfer am Boden genau anschauen will und das spannend findet. In dreieinhalb Jahren Regierungszeit hab’ ich keinen Käfer gesehen.