Lopatka konterkariert immer wieder Mitterlehners Linie.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Richtungsstreit

Warum Lopatka den ÖVP-Chef reizt

Verhältnis zur FPÖ: Parteifreunde orten Feldaufbereitung für Sebastian Kurz.

von Karin Leitner

12/28/2016, 06:00 PM

Am 19. Dezember hat ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner die neue Doktrin verkündet: "Wir müssen uns deutlich abgrenzen von der FPÖ." Dieser Ansicht ist auch sein Generalsekretär Werner Amon. ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka, der mit den Blauen inhaltlich stets besser konnte als mit den Roten, missfällt die von Mitterlehner verordnete strategische Positionierung.

Der APA sagte er: Entscheidend sei, "dass das eigene Profil, die eigenen Arbeitsschwerpunkte eine Partei so stark machen, dass dadurch automatisch eine Abgrenzung zu den Mitbewerbern erfolgt." Es ist nicht das erste Mal, dass Lopatka Mitterlehners Linie konterkariert. Zuletzt war das im Bundespräsidentschaftswahlkampf der Fall. Mitterlehner hatte gesagt, dass er Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen für die bessere Hofburg-Wahl halte. Lopatkas Replik: FPÖ-Mann Norbert Hofer "ist für mich der bessere Kandidat". Mitterlehner war erbost, diagnostizierte "Illoyalität". Mit diesem Verhalten "nützt Lopatka seiner Partei nicht". Nach einem Gespräch taten die beiden kund, dass die "Irritationen" ausgeräumt seien. Das sind sie nicht.

Unmut wegen Alleingängen

Nun wollen sich zwar weder Mitterlehner noch Amon zu den Aussagen des Parteifreunds äußern, der Unmut über Lopatkas Alleingänge ist aber groß. Den mildert auch nicht ab, dass er via Facebook mitteilt: "Natürlich bin ich für Abgrenzungen zu anderen Parteien – wie die FPÖ – durch eigene Positionierung."

Warum tut er das? Schwarze erzählen, Lopatka wolle Mitterlehner provozieren, mürbe machen, seine Autorität schmälern – um das Feld für Außenminister Sebastian Kurz zu ebnen. Kurz-Fans glauben, mit ihm an der Spitze die Partei, die bei 20 Prozent Zuspruch grundelt, bei der Nationalratswahl auf Rang 1 katapultieren zu können.

Kürzlich beschrieb der gescheiterte Hofburg-Anwärter Andreas Khol die Situation so: In der ÖVP versuche "die Gruppe um Mitterlehner", doch noch Reformen durchzubringen. "Die andere Gruppe – Lopatka ist nur der sichtbar gemachte Wortführer – hat diese Hoffnung aufgegeben und sucht neue Koalitionen, wohl auch mit der FPÖ."

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