Politik | Inland
07.10.2017

Wahlkampf im Shopping-Center: "Jetzt wird’s der Strache"

Heinz-Christian Strache in der Linzer PlusCity, die Freiheitlichen verspüren Aufwind.

"Für uns läuft es bestens. Die Stimmung ist sehr, sehr gut, weil sich Rot und Schwarz gegenseitig befetzen." Albert Wituschek, freiheitlicher Stadtrat in Ansfelden, ist bereits eineinhalb Stunden vor dem Auftritt seines Parteiobmanns Heinz-Christian Strache in der PlusCity bei Linz. "Kurz und Strache haben nun die Plätze getauscht. Ich glaube, jetzt gewinnt der Strache." Man müsse nur die Geschäftsführer von ÖVP und SPÖ, Elisabeth Köstinger und Christoph Matznetter, weiterstreiten lassen.

Ein deklarierter FPÖ-Fan, der nicht genannt werden will ("die roten Freunde würden mich sonst schneiden") pflichtet Wituschek bei: "Kurz wird gar nichts bewegen, er ist ein G’schichtldrucker. Die Frauen kaufen ihm den Schmäh ab, aber die Schwarzen werden ihm nach der Wahl schon zeigen, wo der Bartl den Most holt." Strache habe endlich "gecheckt", das er sich mäßigen muss, damit er die Stimmen der Frauen gewinnt. Er selbst wähle die Blauen, weil er die Arroganz der Elite, dieser "abgehobenen Typen" satt habe. "Sie glauben, sie haben die Weisheit mit dem Löffel gefressen."

"Da brennt da Huat"

Der Palmenplatz im Shoppingcenter füllte sich gegen 14 Uhr mit Menschen. Tausende strömen an kühlen und verregneten Samstagen wie diesen in den Konsumtempel – eine ideale Arena für politische Schaukämpfe.

Auch City-Chef Ernst Kirchmayr trudelt ein und nimmt am Ehrentisch Platz. Herwig Mahr, Klubobmann im Landtag und Bezirksparteiobmann, übernimmt die Aufgabe des Einpeitschers, nachdem das Schlagerduo Peter und Chris mit speziellen Liedern auf Strache eingestimmt hat ("Jetzt erst recht", "Du schaffst das schon", "Da brennt da Huat"). "Das Problem Nummer eins im Bezirk ist die Sicherheit", sagt Mahr. "Es fehlen 43 Polizisten." Dazu komme das Verkehrsproblem "und wir haben natürlich auch ein Ausländerthema. In den Kindergärten und Horten meiner Heimatstadt Traun sind 84 Prozent der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache. Das ist ein Problem. Es kann nicht sein, dass unsere Kindergärtnerinnen Türkisch lernen müssen." Starker Applaus der Publikums.
Inzwischen sind Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner und Spitzenkandidat Strache eingetroffen. Sie sind auf Oberösterreich-Tour. Um 9.30 Uhr starteten sie in Steyr, um 14 Uhr waren sie in der PlusCity, um 17 Uhr in Vöcklabruck und um 19.30 Uhr in der FPÖ-Hochburg Ried im Innkreis.

"Meine Hoffnung ist, dass es am 15. Oktober so einen Schepperer macht wie vor zwei Jahren bei der Landtagswahl", sagt Haimbuchner. Damals verdoppelte sich die FPÖ von 15 auf 30 Prozent. "Es ist unsere Pflicht, für Sicherheit zu sorgen. In welchem Land leben wir mittlerweile, wenn Frauen und Mütter auf offener Straße belästigt, vergewaltigt und zusammengeschlagen werden?"

Die FPÖ werde das "Absaugen österreichischen Steuergelds durch Menschen, die noch nie gearbeitet haben, stoppen". Für die österreichischen Arbeitnehmer habe es seit dem Jahr 2000 eine Reallohnerhöhung von lediglich 2,98 Prozent gegeben. Der politische Islam komme bereits in alle Dörfer.

"Bonzenschutzmauer"

"Vor der Wahl streiten sie wie Hund und Katz’, nach der Wahl hängen sie sich wieder ein." So lautete Straches Grundbotschaft an die Zuhörer. Schon Willi Molterer habe 2008 erklärt; "Es reicht". Nur ein Kleber halte wirklich: der "rot-schwarze Proporzkleber". So werde es auch diesmal sein. Ex-Kanzler "Feigmann" bekam ebenso sein Fett ab wie "Ohrwaschlkaktus" und "Fake-Basti" Kurz. Den Bau-Industriellen Hans Peter Haselsteiner nannte er einen "Oberfreimaurer" und Alfred Gusenbauer könne man es am Gesicht ablesen, dass er sich tatsächlich geholt habe, was ihm zustehe.

Statt die Grenzen vor den illegalen Flüchtlingen zu schützen, habe Kanzler Kern eine "Bonzenschutzmauer" errichten lassen. Und: "Wozu braucht man Poller, wenn man so viele Vollpfosten in der Regierung hat?"Die mehreren Hundert Zuhörern quittierten Straches Sager mit Lachen und Applaus. Er selbst ist optimistisch. "Unser Präsidentschaftskandidat Hofer lag im Jänner 2016 bei acht Prozent, drei Monate später waren es 35 Prozent."