Politik | Inland
05.10.2017

Wahlkampf: Der Schmutz spritzt auch am Boulevard

Fellners Skandalisierungsmaschine läuft und hat jetzt die Frau des Bundeskanzlers im Visier

Bundeskanzler Christian Kern hat eine Vergangenheit. Und zwar als Startup-Investor. Er kaufte im Jahr 2016 weniger als ein Prozent der israelischen Softwareschmiede Foresight, die seine Frau Eveline Steinberger-Kern 2014 mitgegründet hat. Wenig später wurde er Kanzler und SPÖ-Chef (als solcher gab er 2016 seine Beteiligung im Amtsblatt bekannt).

Heute befindet Kern sich im Wahlkampf und wird von Österreich-Chef Fellner durch Sonne und Mond geschossen. Alles, was gegen den SPÖ-Chef (und neuerdings seine Frau) verwendet werden kann, wird im Blatt zum Skandal gemacht. In verschärfter Form, seit Kern ein Interview im Minisender oe24.tv abgesagt hat.

Neueste "Affäre" ist eben die Firma Foresight. Kerns Beteiligung wird von Fellners Medien täglich mit neuen Details aufgearbeitet. Der Anlass: Mit rund 11 Prozent ist an der Firma auch ein israelischer Mischkonzern namens Triple M beteiligt. Der wiederum hat ebenfalls Anteilseigner, unter denen sich auch der Investor Abraham Nanikashvili anschloss, gegen den in Israel wegen Korruption ermittelt wird. Im Sommer 2015 wurde entschieden, dass er wegen dieser Vorwürfe seine Anteile zurücklegen muss.

Dieser Umstand war Österreich Grund genug für folgende Schlagzeile: "Kanzler in Israel-Firma mit angeklagtem Millionär". Untertitel: "Was israelische Journalisten über die Firmen-Verflechtung von Kern in Tel Aviv enthüllten."

Welche Enthüllung?

Was ein Shareholder der einen Firma dafür kann, wer Anteile an einem anderen Eigner hält, hat Fellner noch aufzuklären. Aber auch in anderen Bereichen ist die Darstellung des Boulevardblattes krass überzogen: Recherchen des KURIER in Israel stießen auf keinerlei aktuelle "Enthüllungen" dortiger Kollegen. Der letzte Bericht zu dem in Verruf geratenen Investor Nanikashvili stammt aus dem Vorjahr. Von Kern ist darin keine Rede. Oe24.at schreibt hingegen: "Um die Rolle des israelisch-georgischen Milliardärs Avraham Nanikashvili in der Firma Foresight gehen indes weiter die Wogen hoch." Bloß: Wo?

Der "Enthüllungsjournalist", auf den Fellner sich bezieht, ist offenbar ein 21-Jähriger, der für den Armee-Radiosender arbeitet. Seine Arbeit bezieht sich dort laut KURIER-Recherchen auf die tägliche Presseschau. In dieser Funktion hat er auf Twitter auch einen von Fellners Skandal-Artikeln zu Foresight gepostet. Schließt sich hier vielleicht schon der "Enthüllungskreislauf zwischen Wien und Tel Aviv? Die Kerns werden es sicher bald lesen.