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16.10.2017

Kern wird wohl kürzestdienender Kanzler

Wird Sebastian Kurz innerhalb einer normalen Zeitspanne der 14. Bundeskanzler der Zweiten Republik, löst Christian Kern einen seiner SPÖ-Vorgänger als Regierungschef mit der kürzesten Amtszeit ab.

Christian Kern ( SPÖ) wird wohl als kürzestdienender Bundeskanzler der Zweiten Republik in die Geschichte eingehen, wenn Wahlsieger Sebastian Kurz (ÖVP) tatsächlich Kanzler wird.

Mit genau 50 kam Kern ins Amt - und mit 51 wird er es höchstwahrscheinlich verlassen. Dauern die Regierungsverhandlungen nicht ungewöhnlich lange, wird er der kürzestdienende Kanzler seit 1945. Erst am 9. April 2018 wäre er einen Tag länger im Kanzleramt als Parteikollege Alfred Gusenbauer ( SPÖ), der zwar 2006 überraschend den ersten Platz für die SPÖ geholt hatte, aber schon ein Jahr und elf Monate nach Angelobung Werner Faymann weichen musste. Und ein halbes Jahr lang wurde in Österreich noch nie um die nächste Regierung gerungen.

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Ist deren Chef Kurz, wird er der 13. oder 14. Bundeskanzler der Zweiten Republik - je nachdem ob man auch die nach dem Zweiten Weltkrieg eingesetzte provisorische Regierung unter Staatskanzler Karl Renner (SPÖ) dazuzählt oder nicht. Seit der ersten freien Wahl am 25. November 1945 stellte die SPÖ sieben und die ÖVP fünf Kanzler. Andere Parteien kamen bisher nicht zum Zug.

Jüngster Kanzler

Kurz würde gleich mit einem Rekord starten: Alle Vorgänger waren bei der Angelobung wesentlich älter. Das Durchschnitts-Angelobungs-Alter liegt bei 52, Kurz ist erst 31 Jahre alt.Kein einziger der zwölf nach Wahlen angelobten Bundeskanzler war bisher unter 40 Jahre alt - und nur einer, Leopold Figl, (im Jahr 1945) nicht viel darüber, nämlich 43 Jahre. Alfred Gusenbauer (SPÖ) zog 2006 mit 46 im Kanzleramt ein, alle anderen waren nahe oder über 50.

Grüne wären die vierte abgewählte Partei

Einen Eintrag in eine Negativstatistik müssen hingegen die Grünen fürchten: Wenn sie sich tatsächlich aus dem Nationalrat verabschieden müssen, sind sie die vierte Partei, die abgewählt wurde.

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Bei Wahlen kandidiert haben (zu einem Teil mehrfach) 81 Parteien. In den Nationalrat geschafft haben es neben den fünf jetzt gekürten SPÖ, ÖVP, FPÖ, NEOS und Liste Pilz und den Grünen vorübergehend auch KPÖ, LIF, BZÖ und Team Stronach. Wobei die Grünen die Partei wären, die sich mit Abstand am längsten (nämlich 31 Jahre) im Nationalrat hielt. Außerdem wäre angesichts ihrer festen Verankerung in den Bundesländern (dort sind sie in fünf Landesregierungen vertreten) ein Comeback bei der nächsten NR-Wahl eher wahrscheinlich.

Bisher gab es kein Comeback

Die Rückkehr ist bisher allerdings noch keiner Partei gelungen - auch wenn die KPÖ sich unermüdlich bei jeder einzelnen Wahl darum bemühte. Die Kommunisten zogen gleich bei der ersten Wahl 1945 ein, flogen aber bei der fünften Wahl 1959 (bis heute endgültig) aus dem Nationalrat. Zwei FPÖ-Abspalter wurden jeweils beim dritten Antritt wieder abewählte: Das LIF fiel 1999 unter die Vier-Prozent-Hürde - und das BZÖ nach dem Tod Jörg Haiders 2013. Anders als das BZÖ bemühte sich das LIF zwar bei weiteren Wahlen um ein Comeback, schaffte es aber nicht. Jetzt ist es indirekt, nach der Fusionierung mit den NEOS, wieder im Nationalrat vertreten.

Selbstaufgabe bei Stronach

Selbst aufgegeben hat eine Partei, die 2013 ins Hohe Haus gewählt wurde - das von Frank Stronach gegründete Team Stronach. Der Parteigründer zog sich aber bald zurück, und nachdem er eine weitere Kandidatur nicht mehr unterstützte, löste sich der Nationalratsklub schon vor Ende der Legislaturperiode im heurigen Sommer auf.