Politik | Inland 19.01.2013

VP-Wallner: "Bei der gemeinsamen Schule nicht nur blockieren"

© Bild: Land Vorarlberg/Werner Micheli

Der Frontmann der Länderchefs, Markus Wallner, will von der ÖVP Reformen. Von einem Volksentscheid in Sachen Schule hält er nichts.

Am Sonntag stimmen die Bürger über die Zukunft des Heeres ab. Der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl hat schon eine weitere Volksbefragung im Sinn – eine zur Schulreform, wie er dem KURIER sagte.

Für Häupls Vorarlberger Pendant, ÖVP-Mann Markus Wallner, ist das keine gute Idee: „Davon halte ich nicht viel. Die Koalition soll die Reformarbeit in der Bildung angehen und ideologische Gräben überwinden. Sie soll sich auf jene Themen konzentrieren, die unbestritten sind: Früherziehung, Sprachförderung, Ganztagsangebote, Dienstrecht.“

Der derzeitige Frontmann aller Landeshauptleute drängt die eigene Partei, sich zu bewegen: „Man darf bei der gemeinsamen Schule nicht nur blockieren und sagen: Das kommt nicht infrage. Wir müssen uns von diesen Reflexen verabschieden.“ Er tue das. In seinem Bundesland lässt Wallner Experten in einem Forschungsprojekt alsbald „alle Vor- und Nachteile“ der Schulformen untersuchen. Was passiert, wenn diese befinden, dass die gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen besser ist als das jetzige System? „Dann muss man gegenüber einer Umstellung offen sein, etwa in Form eines Schulversuchs“, sagt Wallner im KURIER-Gespräch.

Weg von der Bremse

In Sachen Ganztagsschule macht er ebenfalls Druck auf die Parteifreunde. „Auch beim verschränkten Unterricht muss man aufs Gas steigen, nicht auf die Bremse – auch als ÖVP.“ Diese bevorzugt reine Nachmittagsbetreuung, die SPÖ die verschränkte Form (Unterricht, Lernphasen und Freizeit sind über den Tag verteilt).

„Man darf das nicht auf Betreuung einschränken. Ich mache die Erfahrung im Land, dass vor allem berufstätige Frauen den verschränkten Unterricht wollen. Und im urbanen Bereich kann man damit Kindern, die bildungsfern und schwächer sind, helfen.“ SPÖ und ÖVP haben sich ja darauf verständigt, die Mittel für Ganztagsschulplätze zu erhöhen. Von 2014 bis 2018 gibt es 160 (statt 80 Millionen) Euro pro Jahr. Eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern darüber, wie das Geld verteilt wird, steht noch aus. Die will Wallner „noch vor dem Sommer unter Dach und Fach bringen“.

Noch vor der Nationalratswahl im Herbst sollte das Lehrerdienstrecht, das Unterrichtsministerin Claudia Schmied und die Lehrergewerkschaft verhandeln, fertig sein: „Das muss im ersten Halbjahr über die Bühne gehen. Bundeskanzler Faymann sollte es zur Chefsache machen.“

Neue Regeln für die Pädagogen seien schließlich die Basis für alle Schulreformen, sagt Wallner: „Eine gemeinsame Schule ist ohne neues Dienstrecht nicht möglich.“ Mit höherer Arbeitszeit? „Dass bei höheren Einstiegsgehältern die Lehrverpflichtung steigt, ist logisch.“

Dass SPÖ und ÖVP darüber streiten, wie Kinder sprachlich zu fördern sind, missfällt Wallner: „Auch da muss Schluss sein mit Ideologie.“ Bis März sollte es ein Konzept geben. In Vorarlberg sei man schon weit: „Alle Kinder zwischen drei und vier Jahren werden untersucht – sprachlich, körperlich und psychisch; und entsprechend gefördert.“ Derlei Programme seien zwar Sache der Länder: „Ich hätte aber gern, dass es ein österreichweites Screening gibt.“ Und was regt er für die Schulen an? „Eine Sprachstandsfeststellung zu Beginn der Volksschule. Kinder mit Problemen werden dann im Klassenverband in Deutsch speziell gefördert. Wenn es zu viele Kinder mit Sprachdefiziten gibt, sollte es eine Vorschulklasse geben.“ Gettoklassen, wie von der SPÖ befürchtet, wären das nicht.

Erstellt am 19.01.2013